Jan-Heiner Tück hat Forderungen nach einer posthumen Rehabilitierung von Hans Küng zurückgewiesen. "Die Kohärenz des Katholischen würde Schaden nehmen, ja es käme einer päpstlichen Selbstdemontage gleich, wenn der Papst die Unfehlbarkeitskritik Küngs ohne Vorbehalte unterschreiben würde", schreibt Tück in einem Beitrag des Portals communio.de.
Ausgangspunkt war die Forderung des Theologen Wolfgang Beinert, der in der "Herder Korrespondenz" eine Rehabilitierung Küngs anregte und ihn als "Propheten der Katholizität" würdigte.
Tück widerspricht Beinert nun. Zwar erkennt Tück an, Küng habe "ein waches Gespür für Zeitfragen gehabt" und "Modernitätskonflikte der Kirche offengelegt", eine Rehabilitierung hält er jedoch für theologisch nicht überzeugend.
Streit um Papst
Küng habe beispielsweise "hinter den Begriff 'Unfehlbar' ein Fragezeichen gesetzt, die Dogmen des Ersten Vatikanums durch historische Kontextualisierung relativiert" und damit "die letztinstanzliche Kompetenz des Papstes infrage gestellt – als hätte er als akademischer Theologe die letztinstanzliche Kompetenz dazu", so Tück.
Zudem habe Küng "eine Demokratisierung der Kirche gefordert und wollte mit dem Konzil über das Konzil hinausgehen". Auch in ethischen Fragen habe Küng andere Positionen vertreten als das kirchliche Lehramt. Küng habe "keine seiner strittigen Positionen zurückgenommen", betont Tück. Eine Rehabilitierung würde daher "auf eine Dissensverschleierung hinauslaufen". Würde Papst Leo XIV. dem Vorschlag folgen, wäre das "ein Akt der Illoyalität gegenüber seinen Vorgängern".
Hans Küng
Hans Küng starb im April 2021. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Theologen. Geboren wurde er 1928 im Schweizer Kanton Luzern und 1954 zum katholischen Priester geweiht. Nach dem Theologiestudium in Rom und Paris war Küng seit 1960 Professor in Tübingen und nahm als theologischer Berater am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) teil.
Noch vor dem Konzil hatte sich ein Konflikt mit Bischöfen entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Unfehlbarkeit des Papstes und Grundfragen der Christologie standen. Die Auseinandersetzung eskalierte 1979, als der Vatikan Küng die kirchliche Lehrerlaubnis entzog. Seitdem war er bis zu seiner Emeritierung 1996 fakultätsunabhängiger ordentlicher Professor in Tübingen.