Kardinal Woelki predigt über zentrale Bedeutung der Eucharistie

Warnung vor "nicht-katholischer Praxis"

Rainer Maria Kardinal Woelki betont im Kölner Dom die Rolle der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt priesterlichen Handelns. Er ruft zur täglichen Messe auf und warnt eindringlich vor deren Verdrängung durch Wortgottesfeiern.

Kardinal Woelki predigt in der Chrisam-Messe / © Beatrice Tomasetti (DR)
Kardinal Woelki predigt in der Chrisam-Messe / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Bei der Chrisam-Messe im Kölner Dom hat Rainer Maria Kardinal Woelki die zentrale Bedeutung der Eucharistie für Kirche und Priestertum hervorgehoben. In seiner Predigt rief er die Priester eindringlich zur täglichen Feier der heiligen Messe auf – auch ohne Gemeinde – und warnte zugleich vor einer zunehmenden Verdrängung der Eucharistie durch Wortgottesfeiern.

Eucharistie als "Quelle und Höhepunkt" priesterlichen Handelns

Im Mittelpunkt der Predigt stand die Rolle der Liturgie im Leben der Kirche und insbesondere der Priester. Woelki erinnerte daran, dass die Feier der Gottesdienste der Gipfel ist, "dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt".

Für Priester bedeute dies, dass die Liturgie nicht nur ein Teil ihres Dienstes sei, sondern dessen Mitte. Sie sei sowohl Höhepunkt als auch Quelle allen pastoralen Handelns. Die Eucharistie verwirkliche die Gemeinschaft mit Christus und erneuere zugleich das geistliche Leben der Gemeinden.

Klare Forderung: Tägliche Feier der heiligen Messe

Einen deutlichen Schwerpunkt setzte der Kardinal bei der Bedeutung der täglichen Eucharistiefeier. Die Kirche empfehle diese "eindringlich – insbesondere uns Priestern – die tägliche Feier der heiligen Messe", betonte Woelki.

Dabei stellte er unmissverständlich klar, dass die Feier der Messe nicht von der Zahl der Teilnehmenden abhängig gemacht werden dürfe: "Auch wenn nur wenige Gläubige oder sogar gar keine Gläubigen zu ihrer Mitfeier kommen sollten, ist ihre tägliche Feier für uns Priester sinnvoll und geistlich geradezu überlebenswichtig."

Die tägliche Heilige Messe sei keine bloße Frömmigkeitsübung, sondern "konstitutiv für unser priesterliches Sein und Wirken". Der Priester begegne in ihr Christus selbst, der sich in der Eucharistie schenke und mit ihm vereine. Zugleich warnte Woelki davor, dass Priester durch eine nachlassende Praxis die Gläubigen "noch mehr der Möglichkeit, täglich die heilige Messe mitfeiern zu können", entwöhnen könnten.

Kritik an Wortgottesfeiern als Ersatz für die Messe

Mit deutlichen Worten äußerte sich der Kölner Erzbischof zur aktuellen pastoralen Praxis in manchen Gemeinden. Mit Sorge beobachte er, dass "immer häufiger am Sonntag Wortgottesfeiern – oftmals mit Austeilung der heiligen Kommunion – die Feier der Eucharistie ersetzen". Diese Entwicklung berühre den Kern katholischer Identität. 

Wörtlich sagte Woelki: "Das, liebe Mitbrüder, ist nicht mehr katholisch und ich bitte Sie eindringlich, dem von Anfang an entgegenzuwirken!" Er verwies darauf, dass die Eucharistiefeier am Sonntag "letztlich durch nichts ersetzbar und austauschbar" sei. Die Kirche sei in ihrem Wesen "eucharistische Versammlung" und entstehe aus der Feier der Eucharistie selbst.

Aufruf zur Erneuerung der eucharistischen Praxis

Indirekt machte Woelki deutlich, dass eine Praxis, die sich bewusst vom priesterlichen Dienst löse oder diesen für entbehrlich halte, nicht dem katholischen Verständnis von Kirche entspreche.

Vor diesem Hintergrund plädierte Kardinal Woelki für eine bewusste Rückbesinnung auf die zentrale Rolle der Eucharistie. Er erinnerte an die frühkirchliche Tradition, nach der sich die Gemeinde am Sonntag um eine gemeinsame Eucharistie versammelte. Eine solche Praxis könne helfen, die Einheit der Gemeinden zu stärken und eine "geistliche und eucharistische Erneuerung" anzustoßen.

Priestertum als Dienst aus der Liebe zu Christus

Zum Abschluss wandte sich Woelki direkt an die Priester und dankte ihnen für ihren Dienst. Dieser sei untrennbar mit der persönlichen Beziehung zu Christus verbunden. In Anlehnung an die Frage Jesu an Petrus – "Liebst du mich?" – gehe es im priesterlichen Dienst um das Ganze, "auch um das ganze Herz".

Die Antwort darauf bestehe im täglichen Dienst am Altar und an den Menschen. Daraus erwachse die Sendung, "die Menschen mit deiner Liebe zu beschenken".

In der Predigt machte Kardinal Woelki deutlich, dass für ihn die Eucharistie nicht nur ein Element kirchlichen Lebens ist, sondern dessen unverzichtbarer Mittelpunkt. Seine Botschaft an die Priester ist, dass die tägliche Feier der Messe zum Wesen ihres Dienstes gehöre – und die sonntägliche Eucharistie durch nichts ersetzt werden dürfe.

Chrisam - Heilige Öle

"Heilige Öle" sind Salböle, die in der katholischen Kirche bei verschiedenen Weihehandlungen benötigt werden. Sie finden Verwendung bei Bischofs- und Priesterweihen sowie der Weihe von Altären und Kirchen. Auch im Rahmen von Taufe und Firmung kommen die Öle zum Einsatz. Gleiches gilt für die Krankensalbung. Geweiht werden die Öle - meist handelt es sich um Pflanzen- oder Olivenöl mit beigefügten Duftstoffen - in sogenannten Chrisammessen kurz vor Ostern.

Chrisam und Salböl am Taufbecken / © Harald Oppitz (KNA)
Chrisam und Salböl am Taufbecken / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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