2025 hat es laut einer jüngsten Studie mehr Gewalt gegen Christen in Israel gegeben. Es zeige sich ein "anhaltendes und sich ausweitendes Muster von Einschüchterung und Aggression" gegen Christen und kirchliches Eigentum, heißt es im am Montag veröffentlichten Jahresbericht des Jerusalemer interreligiösen Rossing Center für Bildung und Dialog.
Das Zentrum sieht einen klaren Zusammenhang der sich ausweitenden Gewalt gegen Christen und einer anhaltenden Vertiefung der Polarisierung der israelischen Gesellschaft mit ultranationalistischen politischen Tendenzen. Christen seien "zunehmend nicht nur als religiöse Minderheit betroffen, sondern – im Fall der Palästinenser – auch aufgrund ihrer nationalen Identität", heißt es in dem Bericht.
155 Fälle in Israel und Ostjerusalem
Das Zentrum dokumentierte 155 Vorfälle, die von Ausgrenzung von Christen über Demütigungen zu offener Gewalt reichten. Bei 61 Vorfällen handelt es sich um physische Angriffe auf leicht an ihrer Kleidung erkennbare Geistliche und Ordensleute, häufig in Form von Spucken. 52 mal wurden Angriffe auf kirchliches Eigentum verzeichnet, darunter Vandalismus, Brandstiftung und Hausfriedensbruch. Auf 28 verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl verbaler Übergriffe.
Nehme man alle Vorfälle zusammen, schafften sie ein demütigendes und zermürbendes Klima, "in dem sich Christen zunehmend unwillkommen fühlen, unter Druck gesetzt werden, ihre Identität zu verbergen, und unsicher sind über die Zukunft ihrer Gemeinschaften", so das Zentrum. In den meisten angezeigten Fällen werde die polizeiliche Untersuchung eingestellt, ohne dass Täter zur Rechenschaft gezogen würden.
Eskalierende Gewalt
Zusätzlich zu gezielten Übergriffen seien Christen auch von größeren Trends betroffen, darunter die eskalierende Gewalt in arabisch-israelischen Städten. Ferner beklagten Christen, dass aufgrund von Sicherheitsbedenken eingeführte Einschränkungen zentraler christlicher Feiern ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse umgesetzt würden.
Die Kirchen sähen sich weiter konfrontiert mit Bedenken hinsichtlich der Visa-Politik für Geistliche, Streitigkeiten über den steuerlichen Status kirchlicher Liegenschaften sowie Initiativen, die kircheneigene Grundstücke rund um die Altstadt betreffen.
Mehr Polizeipräsenz und Untersuchungen
Zur Bekämpfung des Trends empfiehlt das interreligiöse Zentrum eine Verstärkung polizeilicher Intervention, mehr Polizisten in kritischen Gebieten sowie Sensibilisierung der Polizei für Angriffe auf Christen.
Die Identifizierung der Täter müsse durch Zusammenarbeit zwischen Polizeibeamten vor Ort und technologischen Hilfsmitteln verbessert und auch scheinbar geringfügige Vorfälle wie Anspucken untersucht werden, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Ferner empfiehlt das Zentrum eine Einrichtung lokaler und nationaler Ansprechstellen.
Gleichzeitig müsse das Thema durch Bildungsinitiativen angegangen werden, die das Wissen über Christen in Israel fördern. Mit Blick auf die meist jugendlichen Täter empfiehlt der Bericht eine enge Zusammenarbeit mit nationalreligiösen Bildungseinrichtungen.
In einer Umfrage von September 2025 untersuchte das Zentrum nach eigenen Angaben auch die Wahrnehmung von Christentum und Christen in der jüdisch-israelischen Bevölkerung. Die Ergebnisse sollen separat veröffentlicht werden.