Papst Leo XIV. hat die Menschen im Fürstentum Monaco zum Einsatz für Benachteiligte und für den Glauben aufgerufen. "Das Geschenk der Kleinheit und ein lebendiges geistliches Erbe verpflichten Ihren Wohlstand zum Dienst an Recht und Gerechtigkeit", sagte der Papst am Samstagmorgen auf dem Balkon des Fürstenpalasts.
Dies gelte besonders in einem Moment der Geschichte, "in dem die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden". Der Papst besucht für einen Tag das zweitkleinste und zugleich wohlhabendste Land der Welt, in dem der Katholizismus Staatsreligion ist.
Monaco habe in seiner Unabhängigkeit eine Berufung zur Begegnung und zur Pflege der sozialen Freundschaft, "die heute durch ein weit verbreitetes Klima der Abschottung und Selbstgenügsamkeit bedroht sind", mahnte das Kirchenoberhaupt.
Mikrokosmos aus 150 Nationen
Die vielfältige Zusammensetzung der Bevölkerung aus rund 150 Nationen mache Monaco zu einem Mikrokosmos, zu dessen Wohlergehen eine lebendige Minderheit Einheimischer und eine Mehrheit von Bürgern aus anderen Ländern der Welt beitrügen, betonte Leo. Viele hätten einflussreiche Positionen im Wirtschafts- und Finanzbereich, zahlreich seien auch die Besucher und Touristen. "Hier zu leben stellt für einige ein Privileg dar und für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen", unterstrich der Papst. "In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund!"
Der katholische Glaube, den Monaco als eines der wenigen Länder der Welt als Staatsreligion habe, verpflichte Christen dazu, "in der Welt ein Reich von Brüdern und Schwestern zu bilden, nicht zu unterdrücken, sondern aufzurichten, nicht zu trennen, sondern zu verbinden". Ebenso gelte es, alles menschliche Leben zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu schützen, betonte Leo XIV. "Das ist die Perspektive der ganzheitlichen Ökologie, die Ihnen, wie ich weiß, sehr am Herzen liegt."
Soziallehre der Kirche vertiefen
Er vertraue dem Fürstentum Monaco aufgrund seiner tiefen Verbindung mit der Kirche die besondere Aufgabe an, die Soziallehre der Kirche zu vertiefen und gute lokale und internationale Praktiken zu entwickeln, die ihre verwandelnde Kraft zeigen, führte Leo aus. Dies sei besonders wichtig in einer Zeit, in der es vielen Menschen so schwerfalle, zu hoffen.
"Dank eines seit langem bestehenden Glaubens werden Sie so zu Experten für Neues: nicht indem Sie vergänglichen Gütern nachjagen – oft Neuheiten, die schon nach einer Saison veralten –, sondern dadurch, dass Sie auf noch nie dagewesene Herausforderungen vorbereitet sind, denen man sich nur mit freiem Herzen und erleuchtetem Verstand stellen kann", so Leo XIV. Er schloss seine auf Französisch gehaltene Rede mit dem Friedensgruß: "Der Friede sei mit euch. Auf dass der Friede mit euch sei!"
Empfang durch Fürstenfamilie
Zuvor war Leo XIV. von Fürst Albert II., Fürstin Charlène und ihren Kindern Gabriella und Jacques sowie weiteren Mitgliedern der Fürstenfamilie Grimaldi im Palast empfangen worden. Nach einer privaten Unterredung der beiden Staatsoberhäupter traten sie auf den Balkon. Vor einer jubelnden Menge dankte Albert dem Papst für seinen Besuch und würdigte die jahrhundertelangen Beziehungen des Fürstentums zur katholischen Kirche.
Anschließend war eine Begegnung des Papstes mit Katholiken sowie mit Jugendlichen geplant. Am Nachmittag feiert Leo XIV. eine Stadionmesse an der Heimspielstätte des AS Monaco, bevor er gegen 17.30 Uhr in den Vatikan zurückfliegt.