DOMRADIO.DE-Pilgerexperte trifft Hape Kerkeling

Ist Horst Schlämmer auf dem Jakobsweg geboren?

Pilger trifft Pilger: Der neue Hape Kerkeling-Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" ist diese Woche in die Kinos gekommen. Eine ganz besondere Erfahrung hat unser hauseigener Pilgerexperte Marcus Poschlod gemacht.

Autor/in:
Marcus Poschlod
Marcus Poschlod mit Hape Kerkeling (DR)
Marcus Poschlod mit Hape Kerkeling / ( DR )

"Marcus, willst du Hape Kerkeling interviewen?" Was für ein Satz!  Er hätte genauso gut lauten können: "Ich komme aus der Zukunft – hier sind die Lottozahlen!" Natürlich will ich! Wer würde da zögern? Zwischen Anfrage und Interview liegen gerade einmal drei Tage. 15 Minuten Gesprächszeit, zwei weitere Radiojournalisten sitzen bei dem Termin mit am Tisch – egal. Allein die Aussicht, Hape Kerkeling persönlich zu treffen, wiegt alles auf. 

Hape Kerkeling ist für viele mehr als ein Entertainer. Sein Buch "Ich bin dann mal weg" hat eine ganze Generation von Pilgernden geprägt und dem Jakobsweg neuen Auftrieb gegeben. Seit dem Erscheinen 2006 sind die Zahlen auf dem Camino deutlich gestiegen. Auch ich gehöre zur Jakobsweg-Generation Kerkeling. Diesen Sommer starte ich auf meinen neunten Camino. Mein Camino-Podcast läuft inzwischen in der elften Staffel. 

Doch beim Interview geht es eigentlich um etwas anderes: um Glück. Also schaue ich den Film vorab, sammle Fragen und tausche mich mit Kolleginnen aus. Und dann, mitten in der Nacht, dieser Gedanke: 23:38 Uhr, notiert per Mail aus dem Halbschlaf: "Ist Horst Schlämmer nicht auf dem Jakobsweg geboren?" Am nächsten Morgen wird recherchiert – und tatsächlich: Es spricht einiges dafür, dass die Kunstfigur Horst Schlämmer ihren Ursprung auf dem Camino hat. Also wird es vielleicht doch ein Interview über Glück und Pilgern?

Komik und spirituelle Erfahrung

Donnerstag, Köln. Ein Luxushotel, zehn Minuten vor dem Termin. Ich rede mir auf dem Weg dorthin gut zu: "Sei nicht witzig! Hape ist witziger. Und nein – du summst jetzt nicht den Glückshasen aus ‘Kein Pardon’. Mach einfach deinen Job!" Im Hotelzimmer baue ich gemeinsam mit den zwei Radiokollegen die Technik auf. In den höheren Etagen warten Fernsehteams und Zeitungsredakteure, Jan Böhmermann produziert eine Tür weiter seinen Podcast, heute in diesem Hotel. Ein ordentlicher Medienzirkus, von dem wir aber kaum etwas mitbekommen. 

Dann öffnet sich die Tür. Hape Kerkeling kommt mit Managerin und Ehemann herein. Alle stellen sich höflich vor, es gibt ein Shakehands und eine lockere Plauderei. Niemand verbreitet Stress, keiner schaut auf die Uhr – es ist eine sehr entspannte Atmosphäre. Die Interviewfragen zum neuen Kinofilm sind gestellt und ich nutze die Gunst der Stunde: "Ist der Horst wirklich ein Produkt der Pilgerreise?" Hape Kerkeling lächelt und bestätigt: Der Horst sei künstlerisch auf dem Jakobsweg entstanden. Damit schließt sich ein Kreis zwischen Komik und spiritueller Erfahrung. 

Kann man auf dem Pilgerpfad sein Glück finden? Ja! Die Empfehlung seitens Hape Kerkeling wird weiterhin ausgesprochen. Für den Entertainer geht es im Anschluss weiter zur Filmpremiere nach Essen. Für mich bleibt vor allem die Erkenntnis, dass sich Humor und Sinnsuche bei Kerkeling nicht ausschließen, sondern hier aus derselben Quelle stammen. An diesem Tag endet für mich die Suche nach dem Glück in einem Kölner Hotelzimmer.

Jakobsweg

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und schließlich Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus ins spanische Santiago de Compostela. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem "heiligen Ort", an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

 © Sonja Geus (DR)
© Sonja Geus ( DR )
Quelle:
DR

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