Domkapitular Markus Bosbach betont in seiner Predigt, das menschliche Leben erscheine als unausweichliche Abfolge von "Geboren werden, leben, sterben", doch Jesus durchbreche diese zeitliche Begrenzung grundlegend. Im Evangelium verheiße er: "Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen."
Dies sei von den Zuhörern als anstößig empfunden worden, da selbst Abraham und die Propheten gestorben seien. Dennoch gehe es Jesus nicht um den biologischen Tod, sondern um eine tiefere Wirklichkeit: Wer sein Wort bewahre, trete aus der Vergänglichkeit heraus in das Leben Gottes. Die Menschen hätten dies missverstanden, da sie nur an das Grab gedacht hätten, während Jesus die Gegenwart Gottes im Hier und Jetzt meinte.
Mit der Aussage "Ehe Abraham wurde, bin ich" beanspruche Jesus göttliche Ewigkeit und offenbarte sich als Brücke zwischen Zeit und Ewigkeit. Laut Bosbach folge daraus, dass der Mensch seine Identität nicht aus Leistung, sondern aus Gottes ewiger Gegenwart empfange: "Unser Wert hängt nicht an Leistungen, sondern an seiner Ewigkeit."