Vatikan fordert mehr kirchliche Teilhabe für Arme und Marginalisierte

"Den Schrei der Armen hören"

Zum vorläufigen Abschluss der Weltsynode im Oktober 2024 hatte sich die katholische Kirche einige Veränderungen verordnet. Konkrete Vorschläge liefern nun eigens gebildete Gruppen, etwa zum Thema Armut und Ökologie.

Essensausgabe für Bedürftige / © addkm (shutterstock)
Essensausgabe für Bedürftige / © addkm ( shutterstock )

Die katholische Kirche will arme und an den Rand gedrängte Menschen stärker beteiligen. Dazu legte die Studiengruppe 2 des Vatikanischen Synodensekretariates am Dienstag Vorschläge zum Thema "Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" vor. Der Bericht "Den Schrei der Armen hören" entstand im Rahmen der von Papst Franziskus (2013-2025) angestoßenen Weltsynode zur Synodalität.

Unter anderem empfiehlt das 42 Seiten umfassende Papier die Gründung einer kirchlichen Behörde für Seelsorge und Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Diese solle von einer betroffenen Person gemeinsam mit einem Bischof geleitet werden.

Mehr Frauen und nichtweiße Personen

Vertreter vulnerabler Gruppen, Frauen und Persons of Color (nichtweiße Menschen) sollten stärker in kirchlichen Gremien vertreten sein. Für die Unterstützung indigener Völker sowie von Menschen, die aufgrund des Kastensystems diskriminiert werden, schlägt das Papier den Aufbau regionaler und internationaler Strukturen vor. Für Seelsorge-Mitarbeitende soll es in Fragen sozialer und ökologischer Gerechtigkeit ständige Fortbildungen geben.

Papst Leo XIV. bei einem Mittagessen mit Bedürftigen im Garten der Sommerresidenz in Castel Gandolfo / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. bei einem Mittagessen mit Bedürftigen im Garten der Sommerresidenz in Castel Gandolfo / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der kirchliche Einsatz für Menschenrechte und Umwelt dürften nicht isoliert betrachtet werden, so die Autorinnen und Autoren des Abschlussberichts. "Der Schrei der Armen und der Schrei der Erde müssen gemeinsam, nicht getrennt voneinander, angegangen werden."

Ebenso müsse es in kirchlichen Beratungsgremien auf allen Ebenen mehr Theologen geben, die aus armen, an den Rand gedrängten oder generell unterrepräsentierten Gemeinschaften stammen. Der Zugang zu theologischer Bildung für Laien, speziell für Frauen aus marginalisierten Kontexten, sei zu erleichtern. Generell setzt der Bericht auf eine stärkere Zusammenarbeit von Laien, Ordensleuten und Klerikern.

Geistliche und Laien

Am Abschlussbericht der Studiengruppe 2 hatten geweihte und nicht geweihte Katholiken, Theologen und Seelsorgende aus verschiedenen Ländern mitgearbeitet. Geleitet wurden die Beratungen vom Leiter der Vatikan-Behörde für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Kardinal Michael Czerny.

Die katholische Weltsynode zur Synodalität wurde 2021 von Papst Franziskus für ein neues Miteinander in der Kirche ins Leben gerufen. Sie fand mit der zweiten Vollversammlung im Oktober 2024 im Vatikan ihren vorläufigen Abschluss. Die Umsetzungsphase der Beschlüsse soll im Herbst 2028 in eine globale "kirchliche Versammlung" in Rom münden.

Umsetzung der Weltsynode bis 2028

Die von Papst Franziskus begonnene Weltsynode der katholischen Kirche für mehr aktive Teilhabe der Gläubigen war mit einer Versammlung in Rom und mit einem Abschlussdokuments am 26. Oktober 2024 zu Ende gegangen. Die Umsetzungsphase soll nun in fünf Phasen ablaufen.

Synodenaula während der Weltsynode / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Synodenaula während der Weltsynode / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA