Afrikas Bischöfe geben neuen Umgang mit Polygamie bekannt

Würde der Frau stärken

Zwischen kirchlicher Lehre und Lebensrealität: Afrikas Bischöfe wollen einen anderen Umgang mit Polygamie. Sie werben dabei auch für die Gleichberechtigung und eine Unterstützung von Frauen und Witwen in schwierigen Lagen.

Frauen in Uganda / © Dennis Wegewijs (shutterstock)

Die afrikanischen Bischöfe wollen polygam lebende Menschen in der Kirche besser begleiten. In ihrem Abschlussbericht über den Umgang mit Vielehen werben sie für einen pastoralen Ansatz der Nähe, des Zuhörens und der Begleitung ohne Verurteilung der betroffenen Personen. 

Das 28 Seiten umfassende Schreiben wurde am Dienstag veröffentlicht und enthält neben seelsorgerischen Handlungsempfehlungen einen historischen Überblick über Vorkommen, Ursachen und rechtliche Grundlagen von Polygamie. Zudem setzt es sich mit ihrer Behandlung in der Bibel, den Grundlagen der christlichen Ehe und den bisherigen pastoralen Ansätzen etwa von christlichen Missionaren auseinander.

Die Vereinigung der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) war im Rahmen des globalen katholischen Reformprojekts Weltsynode mit einer theologischen und pastoralen Auseinandersetzung zum Thema Polygamie beauftragt worden. Die katholische Kirche versteht die Ehe als lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau.

Taufe für die erste Frau und die Kinder

In "Die seelsorgerischen Herausforderungen der Polygamie" plädieren die Bischöfe für eine Begleitung von polygam lebenden Familien, die das kirchliche Modell grundsätzlich erhält. Jedoch unterscheiden sie zwischen den verschiedenen Mitgliedern. So könnten etwa die erste Ehefrau und die Kinder der Familie vollständig in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden und die Sakramente wie die Taufe empfangen. 

Das gilt aber nicht für den polygam lebenden Mann und seine weiteren Frauen. Sie seien dazu eingeladen, "ihren Glauben in Buße und in der Hoffnung auf eine vollständige Integration in die Gemeinschaft der Jünger Jesu zu leben".

Zudem wollen die Bischöfe die Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördern. In ihrem Schreiben wünschen sie eine Seelsorge, die die Würde der Frau stärkt. Weil Polygamie auch mit der prekären moralischen und sozioökonomischen Lage von Frauen zusammenhängen kann, schlagen sie eine Art Witwen-Netzwerk vor. Die Frauen sollten nicht mehr gezwungen sein, aus materiellen Gründen nach dem Tod des Partners eine polygame Ehe mit einem Bruder des Verstorbenen einzugehen. Stattdessen sollten die Brüder die Witwen moralisch und finanziell unterstützen.

Glaube an erster Stelle

Grundsätzlich betonen die Bischöfe den Glauben des Einzelnen als relevantes Kriterium, dem der Empfang der Sakramente folge – ohne deren Bedeutung zu schmälern. "Auch ohne den objektiven Empfang des Sakraments ist zu hoffen, dass jeder Mensch, vereint im gemeinsamen Glauben, dazu verholfen wird, eine wahre geistliche Gemeinschaft mit dem zu erlangen, der gefeiert wird, unserem Herrn Jesus Christus."

Im November hatte die vatikanische Glaubensbehörde die lehramtliche Note "Ein Fleisch. Lob der Monogamie" herausgegeben, in der sie für die exklusive und lebenslange Liebesbeziehung in der katholischen Ehe wirbt. Polygamie, Ehebruch und Polyamorie erteilte das Dikasterium darin eine klare Absage.

Hintergrund: Symposium der Bischofskonferenzen (SECAM)

Das sogenannte Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) wurde erstmals 1969 unter Papst Paul VI. (1963-1978) einberufen, der damals auch persönlich die erste Papstreise der Geschichte nach Schwarzafrika absolvierte.

Papst Franziskus mit afrikanischen Bischöfen / © Maurizio Brambatti (dpa)
Papst Franziskus mit afrikanischen Bischöfen / © Maurizio Brambatti ( dpa )
Quelle:
KNA