Wie Kardinal Woelki zum Seelsorger für Horst Schlämmer wurde

"Mit der göttlichen Instanz im Gepäck geboren"

An diesem Donnerstag kommt der neue Horst-Schlämmer-Film in die Kinos. Dieses Mal macht sich der Journalist des Grevenbroicher Tagblatts auf die Suche nach dem Glück und befragte dazu auch den Kölner Erzbischof.

Autor/in:
Ina Rottscheid und Marcus Poschlod
Horst Schlämmer zu Gast bei Kardinal Woelki (Erzbistum Köln)

Horst Schlämmer versinkt im Weltschmerz: Seit Corona ist die Stimmung in Deutschland im Keller. Die Preise steigen, die Menschen nörgeln und als auch noch seine Lieblingskneipe schließt, hat der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts die Faxen dicke: Er begibt sich auf eine Reise kreuz und quer durch die Bundesrepublik mit der großen Frage: Was macht die Menschen wieder glücklich und wie findet man sein Glück?

Der Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" begleitet die legendäre Filmfigur bei ihren Recherchen. Dabei stolpert der stets etwas bräsig wirkende und bisweilen politisch unkorrekte Schlämmer in eine Party reicher Leute auf Sylt, er legt sich mit Drogendealern in Berlin an, nimmt an einem Lach-Yoga-Kurs teil und interviewt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. 

Wie der Erzbischof ins Kino kam

In der festen Überzeugung, dass er für seine Mission auch Beistand von oben braucht, trifft Schlämmer in Köln Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki: "Vor Ihnen sitzt eins Ihrer Schafe, ein sehr bedröppeltes Schaf", legt er sorgenvoll los und überschüttet den Kardinal ohne lange Vorrede mit seinen Gedanken über Endlichkeit, Tod und das Jüngste Gericht: "Eines Tages treten wir alle vor unseren Herrgott. Und ich sage es Ihnen, Herr Kardinal, ich bin ein Sünder. Ich war kein Engel." Der Kardinal nickt verständnisvoll: "Da haben wir etwas gemeinsam", sagt er und versichert: "Aber der liebe Gott hat ein großes, weites Herz." Es folgt ein Gespräch über Vorsorgeuntersuchungen, Blutfettwerte, Gott und die Welt. 

Dass der Erzbischof von Köln in dem Film auftauchen würde, war für den Schauspieler und Comedian Hape Kerkeling keine Frage, schließlich sei Horst Schlämmer Rheinländer: "Kardinal Woelki gehört ins Bild, denn die rheinische Identität ist untrennbar mit dem Katholizismus verwoben. Wer in diesem Erzbistum aufwächst, wird quasi mit der göttlichen Instanz im Gepäck geboren“, sagt Kerkeling im DOMRADIO.DE-Interview. "Dieser tiefe, fast selbstverständliche Glaube ist kein Zwang, sondern ein Lebensanker."

Ganz normales seelsorgliches Gespräch?

Der Kardinal musste nicht lange für das Projekt überzeugt werden: "Als die Anfrage von der Produzentin kam, habe ich gesagt: 'Prima, das passt gut', erzählt Wolfram Eberhardt, Kommunikationsleiter im Erzbistum Köln, "denn wer auf der Suche ist, der ist bei uns natürlich immer richtig, gerade wenn er auf der Suche nach dem Glück ist." 

Kardinal Woelki und sein Sprecher Eberhardt / © Viktor Pryymachuk (Erzbistum Köln)
Kardinal Woelki und sein Sprecher Eberhardt / © Viktor Pryymachuk ( Erzbistum Köln )

Die legendäre Filmfigur kannte der Kardinal und als er seine Rolle in dem Film verstand, war er überzeugt. "Letztlich geht es ja darum, dass man als Priester in schwierigen Situationen ein seelsorgliches Gespräch führt und sagt: 'Mensch, ich bin für Dich da, wenn es bei Dir brennt.' Und das ist ja letztlich auch ein Stück weit der Plot in dem Film, dass Horst Schlämmer ein echtes Problem hat", so Eberhardt.

Gedreht wurde im Juni 2025 auf dem Erzbischöflichen Bildungscampus in Köln-Kalk: "Nach einer Stunde war das im Kasten", so der Kommunikationschef, der die Dreharbeiten mit dem Kardinal begleitet hat. Auch für Woelki sei das eine interessante Erfahrung gewesen. Und dass Horst Schlämmer mitten im Gespräch über existenzielle Fragen auf die eigenen Blutfettwerte umschwenkt, sei gar nicht so abwegig: "So würden Sie das als Pfarrer auch erleben: Jemand kommt mit seinen ganzen vielfältigen Sorgen zu Ihnen. Im Prinzip war das sehr lebensnah."

Glaube als Fundament

Für Hape Kerkeling, der bereits 2006 mit seinem Pilger-Tagebuch "Ich bin dann mal weg" einen literarischen Überraschungserfolg landete, ist der Glaube bis heute wichtig, auch wenn er schon vor vielen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten ist: "Auch wenn ich die Institution Kirche bereits mit 16 Jahren verlassen habe, bleibe ich im Herzen 'gelernter Katholik'. Die dort vermittelten Werte sind das Rüstzeug, das mich bis heute trägt. Für mich persönlich ist ein dauerhaftes Glück ohne dieses spirituelle Fundament nicht denkbar."

Horst Schlämmer zu Gast bei Kardinal Woelki (Erzbistum Köln)

Die Antworten auf die Frage, was Menschen glücklich macht, sind im Film am Ende so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das muss auch Horst Schlämmer erfahren. Aber es lohnt sich, genau hinzuschauen: Bei den Dreharbeiten kreuz und quer durch Deutschland sei ihm erneut klar geworden, wie schön und stabil Deutschland im Vergleich zu anderen Zeiten sei, sagt Hape Kerkeling: "Wer auf unsere Lebensqualität, das Klima und die Wohnsituation blickt, müsste eigentlich vor Dankbarkeit applaudieren. Verglichen mit den historischen Zäsuren der Vergangenheit sind unsere heutigen Herausforderungen keine unlösbaren Krisen, sondern bewältigbare Aufgaben."

Und wenn das alles nichts bewirke, weil die Menschen verunsichert, verängstigt und aggressiv seien, dann helfe nur noch eins, so der Schauspieler: "Im Hier und Jetzt bleiben, den Mitmenschen mit Offenheit begegnen und die Arme weit machen. Ich bleibe optimistisch, dass wir diese Prüfung meistern."

Quelle:
DR

Die domradio- und Medienstiftung

Unterstützen Sie lebendigen katholischen Journalismus!

Mit Ihrer Spende können wir christlichen Werten eine Stimme geben, damit sie auch in einer säkulareren Gesellschaft gehört werden können. Neben journalistischen Projekten fördern wir Gottesdienstübertragungen und bauen über unsere Kanäle eine christliche Community auf. Unterstützen Sie DOMRADIO.DE und helfen Sie uns, hochwertigen und lebendigen katholischen Journalismus für alle zugänglich zu machen!

Hier geht es zur Stiftung!