Tausende Menschen haben ihr erstes Piepsen via Webcam verfolgt: Naturschützer sind in großer Sorge um drei Uhu-Küken in einem hessischen Kirchturm.
Eine Bergungsaktion in 60 Meter Höhe soll die Jungtiere in Marburg vorm Verhungern retten. "Da seit drei Tagen das Uhu-Männchen nicht mehr mit Beute am Nistkasten aufgetaucht ist, besteht Handlungsbedarf", teilte der Naturschutzbund Nabu am Montag mit. Die zuständige Behörde habe eine Genehmigung erteilt. Warum das Männchen nicht mehr aufgetaucht ist, blieb zunächst unklar.
Die Uhu-Brut in der Elisabethkirche wird dieses Jahr erstmals im Internet übertragen und hat Hunderttausende Klicks in aller Welt ausgelöst. In den vergangenen Tagen waren drei Küken geschlüpft.
Amme soll Küken aufziehen
Während der Brut gibt es bei Uhu-Paaren eine klare Aufgabenteilung: Das Weibchen bleibt fast immer beim Nest. Das Männchen hat die Aufgabe, die Versorgung zu übernehmen – und geht mit Einbruch der Nacht auf Jagd nach Mäusen, Ratten, Tauben oder Kaninchen.
Am Montag begannen die Vorbereitungen für eine kurzfristige Bergung der Jungtiere. "Die Uhu-Küken sollen in eine Wildtieraufzuchtstation gebracht werden. Dort ist eine Amme, die die Küken annehmen und sie wie ihre eigenen Küken aufziehen wird", erklärte ein Nabu-Sprecher. Die Live-Kamera wurde vorerst abgeschaltet.
Uhus statt Wanderfalken
Im Jahr 2011 hatte man im Südturm der evangelischen Kirche einen Nistkasten installiert, um Wanderfalken anzulocken. Stattdessen bezogen 2013 Uhus das Nest und kamen immer wieder.
Die Fans haben den Elternvögeln dieses Jahr in einer Abstimmung die Namen Hugo und Lisbeth gegeben. Mehr als 4.000 Menschen haben bei Youtube den Kanal der Uhus abonniert. Rückmeldungen bekamen die Tierschützer unter anderem aus den USA, aus Argentinien, Spanien und Armenien.
Die gotische Elisabethkirche wurde 1235 bis 1283 über dem Grab der Heiligen Elisabeth erbaut. Ihre Türme sind 80 Meter hoch.