Kampagne fordert Ausstieg der Kirche aus Gold-Investments

Soziale Spannungen und Umweltschäden

Mit dem steigenden Goldpreis gewinnen auch Goldminen-Aktien kräftig an Wert. Kirchliche Investoren sollten beides dennoch aus ethischen Gründen meiden. Das meinen jedenfalls kirchliche Aktivisten aus mehreren Ländern.

Was am Ende übrig bleibt: Gold liegt in einer Pfanne, nachdem es in einer illegalen Mine im Amazonas-Regenwald abgefackelt wurde, um das verbleibende Quecksilber zu beseitigen. / © Lucas Dumphreys/AP/dpa  (dpa)
Was am Ende übrig bleibt: Gold liegt in einer Pfanne, nachdem es in einer illegalen Mine im Amazonas-Regenwald abgefackelt wurde, um das verbleibende Quecksilber zu beseitigen. / © Lucas Dumphreys/AP/dpa ( dpa )

Gegen Geldanlagen in Gold und Goldminen haben sich Kirchenvertreter aus Lateinamerika und Afrika sowie aus dem Vatikan ausgesprochen. 

Bei einer Pressekonferenz im Vatikan sagten sie am Freitag, solche Anlagen entsprächen nicht den ethischen Standards der katholischen Soziallehre. Insbesondere verwiesen sie auf die Grundsätze, die Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika Laudato si von 2015 formuliert hatte. 

Bergleute arbeiten illegal Mitten im Amazonas-Regenwald. Auch sie saugen im Schlamm Sedimente nach oben auf der Suche nach Gold. / © Lucas Dumphreys/AP/dpa (dpa)
Bergleute arbeiten illegal Mitten im Amazonas-Regenwald. Auch sie saugen im Schlamm Sedimente nach oben auf der Suche nach Gold. / © Lucas Dumphreys/AP/dpa ( dpa )
Fabio Baggio, Untersekretär des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Botschaft zum 55. Weltfriedenstag, am 21. Dezember 2021 im Vatikan. / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Fabio Baggio, Untersekretär des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Botschaft zum 55. Weltfriedenstag, am 21. Dezember 2021 im Vatikan. / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

Die Vertreter haben sich zu einer internationalen "Platform for Divestment from Mining" (Plattform für Nicht-Investition in Bergbau) zusammengeschlossen, die derzeit in Rom tagt.

Für den Vatikan kritisierte Kurienkardinal Fabio Baggio von der Entwicklungsbehörde, der zunehmende Abbau von Edelmetallen im industriellen Bergbau bewirke "in vielen Regionen der Welt tiefgreifende soziale Spannungen und schwere Umweltschädigungen". 

Er werde oft ohne Berücksichtigung der Interessen der Menschen vor Ort und ohne Rücksicht auf die Folgen für die Umwelt vorangetrieben. Dies widerspreche der christlichen Tradition, in der die Schöpfung als eine Gabe Gottes angesehen werde.

Profit durch Umweltzerstörung

Kardinal Álvaro Ramazzini aus Guatemala erinnerte an den ganzheitlichen Ansatz von Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika Laudato si. Aus seiner Erfahrung mit Gold- und Silberminen internationaler Konzerne in Guatemala wisse er, wie sehr deren Aktivitäten der Umwelt schadeten. Von den Gewinnen profitiert hätten nicht die dort lebenden Menschen, sondern die Aktionäre der Unternehmen.

Papst Franziskus und Alvaro Ramazzini / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus und Alvaro Ramazzini / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Aus Österreich berichtete die in der dortigen Bischofskonferenz für Mission und Soziales zuständige Ordensfrau Anneliese Herzig, dass die katholische Kirche in Österreich seit 2024 ihre Richtlinien für ethische Geldanlagen geändert habe. 

Investitionen in physisches Gold und dessen Förderung seien nun nicht mehr richtliniengemäß. Die Kirche müsse auf die Menschen hören, die wegen der industriellen Goldförderung von Umweltzerstörung und Ausbeutung betroffen seien.

Der Goldpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 50 Prozent gestiegen, einige Goldminen-Aktien legten sogar um mehr als 70 Prozent zu. Kirchliche Stellen, darunter auch die Vatikanbank, haben in der Vergangenheit wiederholt größere Summen in Gold angelegt.

Enzyklika "Laudato si"

Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an "alle Menschen guten Willens" - und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet. Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden "ökologischen Umkehr" aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen.

Deutsche Ausgabe der Enzyklika "Laudato si" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Deutsche Ausgabe der Enzyklika "Laudato si" / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA