Erzbischof Gössl fordert gemeinsame politische Haltung der Kirche

"Mit einer klaren und einheitlichen Stimme"

Das Kerngeschäft der Kirche ist laut dem Bamberger Erzbischof Herwig Gössl die Verbreitung des Glaubens. Doch dabei solle sie auch politisch sein. Schließlich seien auch biblische Personen wie Moses oder Jesus politisch aktiv gewesen.

Der neue Bamberger Bischof Herwig Gössl / © Daniel Löb (dpa)
Der neue Bamberger Bischof Herwig Gössl / © Daniel Löb ( dpa )

"Immer wieder heißt es, Kirche solle sich nur darauf konzentrieren, den Glauben zu verbreiten. 

Das ist natürlich auch der Kernauftrag. Doch schon in der Bibel geht es politisch zu", sagte der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl am Freitag bei einer Veranstaltung zur Politischen Gestaltungskraft der Religion in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mitveranstalter war das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

So sei etwa der Auftrag, den Mose von Gott erhalten habe, hochpolitisch: sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten zu führen. Dazu habe auch das Leben von Jesus eine politische Dimension.

Gössl: Gemeinsame Haltung nötig

Wenn sich Kirche politisch äußere, sollte dies nach Ansicht Gössls aber mit einer klaren, gemeinsamen und einheitlichen Stimme geschehen.

Als positives Beispiel nannte er in diesem Zusammenhang unter anderem die im Februar 2024 veröffentlichte Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar". Darin hatten die Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und somit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen bezeichnet.

Gössel beklagte auf der Veranstaltung zudem eine sinkende Bereitschaft, generell Kompromisse zu schließen und mit diesen zu leben. "Das ist aber keine kirchliche, sondern eine gesellschaftliche Schwierigkeit. Da ist die Kirche auch ein Kind ihrer Zeit."

Völkischer Nationalismus und Christentum sind laut Bischofskonferenz unvereinbar

Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien, die gegen Migranten, Muslime oder Juden hetzen, sind nach Auffassung der katholischen Bischöfe für Christen nicht wählbar. Das geht aus einer am Donnerstag in Augsburg veröffentlichten Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz hervor. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert zentrale Passagen des Textes, der auch im Hinblick auf die anstehenden Wahlen im Jahr 2024 formuliert ist.

Hinweisschild zu einem Wahllokal / © Matthias Bein (dpa)
Hinweisschild zu einem Wahllokal / © Matthias Bein ( dpa )
Quelle:
KNA