Hilfswerk UNHCR besorgt über Traumatisierung der Kinder im Libanon

Warnung vor "verlorener Generation"

Vertreibung und Flucht sind für Kinder traumatische Erlebnisse. Tausende sind gerade im Libanon davon betroffen. Welche Auswirkungen das auf die kleinen Seelen haben kann, wissen die Helfer des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor Ort.

Mädchen in einem Sozialzentrum im Libanon (Archiv) (KNA)
Mädchen in einem Sozialzentrum im Libanon (Archiv) / ( KNA )

Kindern im Libanon drohen durch die aktuellen Vertreibungen nach Helferangaben zunehmend Stress, Traumata und andere psychische Belastungen. "Der Stress führt bei vielen dazu, dass sie nicht mehr richtig schlafen können, schreckhaft sind und sich auch untereinander aggressiver begegnen", sagte die Koordinatorin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor Ort, Leana Podeszfa, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Seit Anfang März wurden wegen israelischer Angriffe der Süden des Landes sowie Teile der Hauptstadt Beirut evakuiert. Rund eine Million Menschen sind den Angaben zufolge derzeit im Land auf der Flucht, über ein Drittel davon sind Minderjährige.

Warnung vor "verlorener Generation"

Flucht und Vertreibung seien für Kinder besonders prekär, "denn sie können die Zusammenhänge oft nicht verstehen, warum sie ihr Haus verlassen, ihre Freunde, vielleicht Haustiere und Lieblingsspielzeug zurücklassen müssen", so Podeszfa. Das Hilfswerk biete den betroffenen Kindern psychosoziale Unterstützung an.

"Sehr gut funktioniert das dadurch, sie zum Spielen zu animieren. Dadurch können wir den Kindern wieder ein stückweit Normalität vermitteln", erklärte die UNHCR-Mitarbeiterin. "Manchen Kindern fällt es durch die Erfahrung noch schwer, sich zu öffnen. Sie sind verschlossen und wollen sich nicht beteiligen. Wenn man sie aber immer wieder zum Spielen animiert, sie einbezieht, dann öffnen sie sich irgendwann und lassen auch zu, dass man sich mit ihnen unterhält."

Leana Podeszfa

"Sie hängen in der Bildung weit hinterher und können teils noch nicht altersgerecht lesen und schreiben."

Zugleich betonte Podeszfa, dass das Wichtigste für Kinder eine Rückkehr in die Schule sei. Dabei gehe es nicht nur um die Wiederherstellung einer Form von Alltagsnormalität. "Seit der Corona-Pandemie war der Schulunterricht besonders an den staatlichen Schulen im Libanon häufig unterbrochen." 

Gerade in den ärmeren Bevölkerungskreisen drohe dem Land eine "verlorene Generation", warnte Podeszfa. "Sie hängen in der Bildung weit hinterher und können teils noch nicht altersgerecht lesen und schreiben. In einem Land wie dem Libanon, in dem die Schere zwischen Arm und Reich ohnehin schon so groß ist, kann dieser Rückstand gravierende Auswirkungen haben."

Quelle:
KNA