Der katholische Bischof der Diözese El Paso, Mark Seitz, hat die Mitarbeiter der Einwanderungs- und Strafverfolgungsbehörden in den USA in einem emotionalen Appell zu zivilem Ungehorsam aufgefordert. Er sei mit vielen Strafverfolgungs- und Einwanderungsbeamten befreundet und ihre Arbeit sei für die Gemeinschaft unverzichtbar. "Doch der Tod von Menschen in Einwanderungshaft ist inakzeptabel", sagte Seitz in einer Predigt am Sonntag.
Ein ungerechtes Einwanderungssystem mit tödlichen Folgen untergrabe die Menschlichkeit, kritisierte er. Niemand müsse einem unmoralischen Befehl gehorchen: "Ich bitte alle Beteiligten inständig, die moralischen Anforderungen des Evangeliums in diesem Moment mit Integrität und Ehrlichkeit sorgfältig zu prüfen." Menschen mit einem belasteten Gewissen werde die Kirche seelsorgerisch unterstützen. Die derzeitige landesweite Kampagne mit Masseninhaftierungen und Abschiebungen bezeichnete Seitz als schweres moralisches Übel.
Leid und Ängste
Immer wieder habe er in den vergangenen Monaten von Leid und Ängsten wegen der Abschiebungen gehört. "Ich habe die Geschichten von Familien gehört, die getrennt wurden. Von Mitgliedern unserer Gemeinschaft, die weggebracht wurden. Nachbarn werden ergriffen, wenn sie aus den Verfahren vor dem Einwanderungsgericht in der Innenstadt kommen. Arbeiter werden von Baustellen in der ganzen Stadt abgeholt. Mütter und Väter können nicht mehr arbeiten, weil die Regierung ihnen die Arbeitserlaubnis entzogen hat."
Junge Frauen litten monatelang unter "psychischer Folter" in privaten Haftanstalten, selbst wenn sie angesichts der Bedingungen um eine Abschiebung bettelten, fuhr Seitz fort. Vielen Menschen werde das Gefühl vermittelt, sie seien weniger wert als US-Amerikaner. "Menschen sterben im Einwanderungsgefängnis Camp East Montana in El Paso", so der Bischof.
Die Kirche stehe nach seinen Worten an der Seite derjenigen, die von Hass und Diskriminierung betroffen seien und Angst vor dem hätten, was noch kommen könnte. "Unser Heiliger Vater Papst Leo XIV. hat mir persönlich gesagt, ich solle mich solidarisch mit den leidenden Migrantenfamilien zeigen und nicht schweigen. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um die von Gott gegebene Würde jedes Menschen in unserer Grenzregion zu wahren."
Bischof fordert Einwanderungsreform
Massenabschiebungen machten die Gemeinden nicht sicherer. Stattdessen trennten sie Familien, spalteten Nachbarschaften und bedrohten den wirtschaftlichen Erfolg, sagte Seitz weiter. Er forderte eine grundsätzliche Einwanderungsreform, statt blindlings abzuschieben. Es sei eine große Ungerechtigkeit, Familien, Kinder und die Schwachen den Preis dafür zahlen zu lassen, dass die Politik diese Reform versäumt habe.
Politik, Gesetze und Grenzen müssten stets im Dienst der Menschenwürde und des menschlichen Gedeihens stehen. Seitz kündigte an, die katholische Kirche in El Paso werde ihre Seelsorge für die Menschen vor Gericht, in den Haftanstalten, in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez, die El Paso gegenüberliegt, und für die Familien in den Pfarreien verstärken. Sie werde weiterhin die Menschenwürde von Migranten verteidigen und gegen Rassismus auftreten. Seitz rief alle, die die Privilegien der US-Staatsbürgerschaft genießen dürften, zu einer Solidaritätskundgebung am 24. März in El Paso auf. Es gehe darum, Mitgefühl mit jenen zu zeigen, "die aus Angst nicht mit uns marschieren und beten können".