Vatikan fordert vor UN weltweites Aus für Leihmutterschaft

"Ein Kind ist immer ein Geschenk"

Der Vatikan kritisiert, dass Kinder bei Leihmutterschaften zu "Produkten" und Frauen zu "Dienstleistern" herabgewürdigt würden. Daher hat der Heilige Stuhl bei den Vereinten Nationen ein weltweites Ende der Leihmutterschaft gefordert.

Bei der Leihmutterschaft überlässt eine Mutter, das von ihr ausgetragene Kind einer anderen Person oder Familie. / © Olena Yakobchuk (shutterstock)
Bei der Leihmutterschaft überlässt eine Mutter, das von ihr ausgetragene Kind einer anderen Person oder Familie. / © Olena Yakobchuk ( shutterstock )

In einer Stellungnahme warnte die Ständige Vertretung des Vatikans bei der UNO in New York davor, dass Technologie und Praxis Ethik und Recht überholt hätten. Kinder würden zu Produkten und Frauen zu Dienstleistern herabgewürdigt. Die Vertreter des Vatikans kritisierten einen "perversen Wettbewerb", der entstehe, wenn Frauen um Auftraggeber konkurrieren. Selbst dort, wo kommerzielle Leihmutterschaft verboten sei, würden Zahlungen oft als "Geschenke" oder "Aufwandsentschädigungen" getarnt. Anlass der Stellungnahme ist die 70. Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen.

Tagung verschiedener Länder

Die Sitzung, die laut dem Vatikan-Online-Portal "Vatican News" (Samstag) gemeinsam mit Italien, der Türkei und Paraguay veranstaltet wurde, befasste sich mit Gewalt und Ausbeutung im Kontext der Leihmutterschaft. Der Heilige Stuhl betonte, dass die Praxis oft als "mitfühlende Lösung" für unerfüllte Kinderwünsche dargestellt werde. Jedoch müsse der gesamte Kontext betrachtet werden, um die Würde von Frauen und Kindern zu wahren.

Die Flaggen einiger Mitgliedsländer wehen in New York vor dem UN-Gebäude / © Kay Nietfeld (dpa)
Die Flaggen einiger Mitgliedsländer wehen in New York vor dem UN-Gebäude / © Kay Nietfeld ( dpa )

Der Heilige Stuhl wies darauf hin, dass ökonomische Not der Hauptgrund für Frauen sei, Leihmütter zu werden. "Es ist kein Zufall, dass Berichte über reiche und berühmte Auftraggeber üblich sind, während Berichte über wohlhabende Frauen, die als Leihmütter dienen, selten sind", hieß es in der Stellungnahme. Man müsse sich fragen, ob die Leihmutterschafts-Industrie überleben könnte, wenn die Armut ausgerottet wäre.

Erinnerung an Papst Franziskus

Besorgniserregend sei auch die soziale Isolation der Leihmütter. Es gebe Fälle, in denen Auftraggeber Diät, Aktivität und Gesundheit der Frauen lückenlos überwachen wollten. Diese Kommerzialisierung der Schwangerschaft führe zu einer gefährlichen Fragmentierung familiärer Bindungen. "Ein Kind ist immer ein Geschenk und niemals die Grundlage eines Handelsvertrags", zitiert die Vertretung Worte von Papst Franziskus (2013-2025).

Der Heilige Stuhl schilderte besonders drastisch die Situation bei pränatalen Diagnosen von Behinderungen. In solchen Fällen werde das Kind oft als "fehlerhaftes Produkt" oder als zu lösendes Problem betrachtet, statt als Geschenk willkommen geheißen. Dies widerspreche grundlegend einer gerechten Gesellschaft, in der Kinder gedeihen können. Diese Probleme könnten nicht durch einfache Regulierung gelöst werden. Man begrüße daher die Entscheidung der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht, vorerst keine Konvention zur rechtlichen Elternschaft bei Leihmutterschaft zu verfolgen.

Seit 60 Jahren ist der Heilige Stuhl Beobachter bei der UNO

"Nie wieder Krieg! Nie wieder!" rief Paul IV. in der ersten Ansprache eines Papstes vor der UN-Vollversammlung. Worte, die aktueller kaum sein könnten. Vor 60 Jahren erlangte der Vatikan Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.

Einige Zeit später wandte sich Paul VI. (1963-1978) im UNO-Hauptquartier in New York mit seinem Friedensappell an die Mitgliedsländer und die Weltöffentlichkeit.

Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York / © zijin (shutterstock)
Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York / © zijin ( shutterstock )
Quelle:
KNA