Kirche und Politik würdigen den toten Erfurter Altbischof Wanke

Große Anteilnahme

Spitzen aus Politik und Kirche haben den verstorbenen Erfurter Altbischof Joachim Wanke gewürdigt. Er sei ein Ermutiger sowie Visionär und Vorbild für viele Menschen gewesen. Sein Wirken strahlte dabei weit über Thüringen hinaus.

Autor/in:
Karin Wollschläger
Trauer um Bischof em. Joachim Wanke / © Harald Oppitz (KNA)
Trauer um Bischof em. Joachim Wanke / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki sagte DOMRADIO.DE: "Persönlich habe ich Alt-Bischof Wanke vor allem als Priester und Bischof erlebt, der sich mit großer Liebe und Tatkraft für das große Anliegen der Evangelisierung eingesetzt hat. Immer hatte er dabei die Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche und ihre Anliegen im Blick." 

Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, haben den verstorbenen Erfurter Altbischof Joachim Wanke als herausragende Persönlichkeit gewürdigt. Er sei ein beeindruckender Seelsorger und ein theologischer Visionär gewesen, erklärte Wilmer am Donnerstag in Bonn. 

Wanke sei für viele ein Vorbild gewesen, innerhalb der Kirche und außerhalb. Er habe sichtbare und lebendige Spuren im Leben der katholischen Kirche in ganz Deutschland hinterlassen. Wanke war am frühen Morgen im Alter von 84 Jahren in Erfurt gestorben. 

Bischof Heiner Wilmer / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Heiner Wilmer / © Harald Oppitz ( KNA )

Wilmer hob hervor: "Bischof Wanke stand für eine Kirche, die aus dem Glauben heraus handelt und sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet sieht. Eine Kirche, die das Unrecht in der DDR benannte und gleichzeitig Perspektiven für ein Zusammenleben aufzeigte. Er war eine entscheidende Figur bei der Zusammenführung der katholischen Kirche in Deutschland nach der Wiedervereinigung." 

Ein Brückenbauer 

Auch der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, hat den am Donnerstag gestorbenen Erfurter Altbischof Joachim Wanke gewürdigt. "Mit ihm verliert die Kirche in Ostdeutschland eine Gestalt, die weit über ihre eigene Diözese hinaus Orientierung gegeben hat. 

Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen / © Martin Jehnichen (KNA)
Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen / © Martin Jehnichen ( KNA )

Joachim Wanke war ein Bischof von klarem theologischem Urteil und zugleich von bemerkenswerter menschlicher Zugewandtheit", teilte Timmerevers am Donnerstag mit. "Ich verbinde mit seinem Namen auch eine Kirche, die das Gespräch sucht: mit den Suchenden, mit den Getauften, mit denen, die der Kirche fernstehen, und mit den Christinnen und Christen anderer Konfessionen", so der Bischof weiter. Wanke sei ein Brückenbauer gewesen. 

Wegweisender Ermutiger

Ministerpräsident Voigt würdigte den Verstorbenen unterdessen als großen und wegweisenden Ermutiger. Thüringen verliere eine herausragende Persönlichkeit, die weit über Landes- und Kirchengrenzen hinaus bekannt, hochgeschätzt und gefragt gewesen sei. 

"Viele Menschen im Freistaat Thüringen fühlen sich ihm in großer Wertschätzung und Dankbarkeit verbunden. Sein Wirken wird in unserem Land in dankbarer Erinnerung bleiben." "Unter den Bedingungen der SED-Diktatur verstand er es auf kluge Weise, der Kirche die nötigen Freiräume zu sichern und zugleich die politische Distanz zu wahren", so Voigt. 

Mario Voigt / © Christoph Soeder (dpa)
Mario Voigt / © Christoph Soeder ( dpa )

"Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung betrieb er behutsam und entschlossen zugleich 'den Weiterbau in Freiheit', wie er es nannte." Wanke habe sich sein Leben lang für "eine humane, freiheitliche und ihre Verantwortung erkennende und wahrnehmende Gesellschaft" eingesetzt. Als Gastgeber beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Thüringen habe er 2011 noch einmal im Rampenlicht gestanden, bevor er im Folgejahr in den Ruhestand ging. 

Seit einigen Tagen auf Palliativstation 

Wanke stand von 1981 bis 2012 an der Spitze des Erfurter Kirchengebiets, das Papst Johannes Paul II. 1994 zum Bistum erhob. Er zählte zu den prägendsten katholischen Bischöfen im Osten Deutschlands. Wanke war vergangene Woche ins Krankenhaus gebracht und wenige Tage später auf die Palliativstation verlegt worden. 

Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf (KNA)
Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf ( KNA )

Bischof Ulrich Neymeyr würdigte seinen Vorgänger als "einen bedeutenden Bischof und Theologen, von dem wegweisende und ermutigende Impulse nicht nur für das Leben der katholischen Kirche in der Diaspora Ostdeutschlands ausgegangen sind". Zur Zeit der SED-Diktatur habe seine klare Haltung mit stets wohlgewählten Worten vielen Christen Mut und Zuversicht vermittelt, ebenso sein Einsatz bei den gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen, die die friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands mit sich gebracht hätten. 

Auch im Ruhestand gefragter Ratgeber 

Wanke wurde am 4. Mai 1941 in Breslau (Schlesien) geboren und kam durch die Vertreibung im Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie nach Thüringen, wo er in Ilmenau aufwuchs. 1966 empfing er im Erfurter Dom die Priesterweihe. 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Weihbischof in Erfurt. 

Nach dem Tod von Bischof Hugo Aufderbeck 1981 trat er dessen Nachfolge als Apostolischer Administrator in Erfurt und Meiningen an. 1994 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof des neu gegründeten Bistums Erfurt. Seit Oktober 2012 war Wanke im Ruhestand, blieb aber weiter ein gefragter Redner, Ratgeber und Beobachter kirchlicher und gesellschaftspolitischer Entwicklungen.

Quelle:
DR , KNA

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