Christen im Irak fürchten Folgen der Militärschläge gegen den Iran

"Ausmaß der Gewalt nimmt zu"

Die von den USA und Israel ausgeführten Militärschläge gegen den Iran haben auch Folgen für das Nachbarland Irak. Die christliche Minderheit im Norden des Landes fürchtet sich vor einer Ausweitung des Konfliktes.

Lourdes-Grotte in Karakosch, Irak / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Lourdes-Grotte in Karakosch, Irak / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Angesichts der jüngsten Militärschläge gegen den Iran wächst bei Christen im Nachbarland Irak die Furcht.

Am Mittwochabend wurde ein großer Wohnkomplex der chaldäisch-katholischen Kirche in der vorwiegend von Christen bewohnten nordirakischen Kleinstadt Ankawa bei Erbil von Raketenteilen oder Drohnen getroffen, wie die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress meldet. Laut irakischen Medienberichten habe der Einschlag zwar schwere Schäden verursacht, Personen seien jedoch nicht verletzt worden.

In dem Gebäude, das in Erinnerung an den Besuch von Papst Franziskus im Irak 2021 "Pope Francis Residential Complex" genannt wird, wohnen christliche Familien und Studierende. Es war bereits zuvor evakuiert worden, da es nahe am Flughafen von Erbil liegt. Auch ein in der Nähe gelegenes chaldäisches Frauenkloster wurde getroffen und beschädigt.

Erzbischof Bashar Warda / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Bashar Warda / © Harald Oppitz ( KNA )

Der chaldäische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, warnte in einem Interview des Senders EWTN vor einem weiteren Exodus der letzten verbliebenen Christen im Land. Schulen und Universitäten in der Region seien seit fast einer Woche geschlossen und "die Wirtschaft bricht zusammen". Gleichzeitig werde Erbil etwa alle drei bis vier Stunden von Raketen oder Drohnen getroffen. Die Menschen hätten Angst "und das Ausmaß der Gewalt nimmt immer mehr zu".

Für die Angriffe, die hauptsächlich dem Flughafen von Erbil und US-Einrichtungen gelten, werden neben dem Iran selbst auch im Irak operierende pro-iranische Milizen verantwortlich gemacht.

Keine Kontakte in den Iran

Besorgt zeigte sich Erzbischof Warda auch über die Situation der kleinen christlichen Gemeinde im Iran. Er habe sich bemüht, Kontakt mit dem katholischen Erzbischof von Teheran, Dominique Joseph Mathieu, aufzunehmen, "aber es gibt keinerlei Kommunikation". Auch eine Ordensschwester, die derzeit in seinem Bistum tätig ist und ihre Familie im Iran hat, könne zu dieser keinen Kontakt herstellen.

Christen im Irak

Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums. Dessen Ursprünge im Zweistromland werden bis auf den heiligen Apostel Thomas zurückgeführt. Im irakischen Kernland, dem früheren Mesopotamien, stellten Christen vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert die Bevölkerungsmehrheit. Ihr Anteil nahm danach immer weiter ab.

Papst Franziskus zu Besuch im Irak / © Ameer Al Mohammedaw (dpa)
Papst Franziskus zu Besuch im Irak / © Ameer Al Mohammedaw ( dpa )
Quelle:
KNA