Expertin sieht in Religion weiter wichtigen Faktor in der Gesellschaft

Nach wie vor Zulauf und Einfluss

In Frankreich meldet die Kirche einen Tauf-Boom. Für die Expertin Inken Prohl deutet das aber nicht auf eine Trendwende bei schwindenden Mitgliederzahlen hin. Religion werde aber trotzdem auch künftig eine Rolle spielen.

Gottesdienstbesucher singen / © Nicolas Ottersbach (DR)
Gottesdienstbesucher singen / © Nicolas Ottersbach ( DR )

In Europa werden die Kirchen nach Ansicht der Heidelberger Religionswissenschaftlerin Inken Prohl weiter Mitglieder verlieren. Zugleich bleibe Religion aber ein wichtiger Faktor in der Gesellschaft, betonte die Forscherin in einem am Donnerstag im "Mannheimer Morgen" veröffentlichten Interview. 

"Eine breite Rückkehr zur klassischen Kirchenreligion sehe ich nicht", so Prohl. Daran änderten auch Nachrichten etwa über einen Tauf-Boom in der katholischen Kirche in Frankreich nichts. Von einem generellen Bedeutungsverlust von Religion könne jedoch keine Rede sein, sagte die Forscherin. Weltweit betrachtet hätten Religionen weiterhin Zulauf und Einfluss. 

Inken Prohl, Professorin für Religionswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. / © Stefanie Ball/KNA (KNA)
Inken Prohl, Professorin für Religionswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. / © Stefanie Ball/KNA ( KNA )

"Europa ist der Sonderfall. Und auch hier spielt Religion weiter eine Rolle, nur in anderen Formen: in politischen Bewegungen, Lebensstilen und Sinn- und Zukunftserzählungen, die nicht mehr kirchlich auftreten, aber religiöse Strukturen haben." 

"Religionsähnliche Formationen" 

Bestimmte Verhaltensmuster würden in "religionsähnliche Formationen"überführt, erläuterte Prohl. "Etwa in den Glauben an eine 'Berufung', die Welt durch Umweltschutz zu retten, oder in stark emotional aufgeladene politische Bewegungen, die Ungerechtigkeit überwinden wollen." Auch Sport, Konsum oder bestimmte politische Projekte könnten solche Strukturen annehmen - "inklusive Überzeugungen, die kaum noch kritisch hinterfragt werden". 

Quelle:
KNA