Am 24. Februar 2022 - in diesen Tagen also vor vier Jahren - hat Russland völkerrechtswidrig einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet. Unter fadenscheinigen Vorwänden behauptet der russische Machthaber Putin seither, er führe Krieg, um die Ukraine von einem vermeintlichen „Nazi-Regime“ zu befreien oder um angeblich verfolgten Russen, die in den östlichen Landesteilen der Ukraine leben, zu Hilfe zu kommen.
Mittlerweile sind Millionen von Ukrainern zu Opfern dieses Krieges geworden. Sie haben ihre Wohnung und ihren Besitz verloren, wurden vertrieben und leben seither als Flüchtlinge in anderen Ländern - auch bei uns. Unzählige Soldaten und Zivilisten wurden verwundet oder getötet. Und auch für Russland selbst ist der Preis schrecklich hoch. Obwohl Russland keine Angaben zu eigenen Opfern macht, können wir bei aller Vorsicht hinsichtlich der Quellen davon ausgehen, dass auch Hunderttausende russische Soldaten verwundet oder getötet wurden.
Das Leid ist in der Ukraine allgegenwärtig. Und auch wir werden täglich in den Medien damit konfrontiert. Allerdings sind die Nachrichten vom Krieg in der Ukraine nach vier Jahren so alltäglich geworden, dass wir uns beinahe daran gewöhnt haben.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber manchmal muss ich mich ganz bewusst darauf besinnen, nicht abzustumpfen und nicht blind zu werden für das Leid der Menschen. Ich muss mir immer wieder selbst sagen, dass hinter allen Berichten über Tod und Zerstörung in der Ukraine die Schicksale von real existierenden Menschen stehen. Mit ihrem Leiden, mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer können wir uns nicht einfach abfinden. Beten wir weiterhin dafür, dass dieser und alle anderen Kriege endlich aufhören und zeigen wir uns solidarisch mit all den Opfern dieser Kriege.
Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln