Der Passauer Bischof Stefan Oster hat in der Debatte um "Tradwives" Position bezogen. Die katholische Kirche vertrete heute in ihrer Ehelehre ausdrücklich nicht mehr eine Unterordnung der Frau unter den Mann, schreibt Oster in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag auf seiner Internetseite. Die Kirche habe bei diesem Thema "eine deutlich erkennbare Entwicklung" durchgemacht. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) betone die gemeinsame Verantwortung der Ehepartner füreinander und für den Nachwuchs.
Zugleich begrüße die Kirche, "wenn sich ein Mann und eine Frau in ihrem Miteinander auf ein Modell verständigen, in dem sie primär ihre Mutterrolle ausfüllt und er primär die Erwerbsrolle übernimmt", so Oster. "Die Rollenverteilung kann aber selbstverständlich auch anders sein, wenn es sich für die einzelnen Familienmitglieder anders zeigt oder die Umstände anderes ergeben. Wesentlich ist immer die Kultur der Liebe und die Bereitschaft beider Partner, Verantwortung zu übernehmen."
Nach Auffassung des Bischofs hält die katholische Kirche mit dieser Position in aktuellen gesellschaftlichen Debatten "die Mitte". Die Anziehungskraft traditioneller Rollenmodelle speist sich laut Oster auch aus einer Verunsicherung über Geschlechterrollen. Die Kirche bejahe die gleiche Würde von Mann und Frau, erkenne aber auch ihre Unterschiedlichkeit an.
Gefahr des Abdriftens nach rechts
Ein "traditionalistisches Menschenbild" sei durch seine buchstäbliche Lesart der Bibel gefährdet, "politisch nach rechts abzudriften". Auf der anderen Seite stehe ein "radikal konstruktivistisches Modell, das die Unterschiede zwischen Männern und Frauen einebnet und sich linken Ideologien öffnet, die im Gefolge ihrer Ahnherren Marx und Engels das klassische Familienmodell insgesamt überwinden wollen".