Beate Gilles bleibt Generalsekretärin der Bischofskonferenz

"Der Herrgott hat mich mit einer großen Gelassenheit gesegnet"

Als erste Frau übernahm Beate Gilles 2021 das Amt der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Nun haben die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung in Würzburg die 55-Jährige für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Autor/in:
Joachim Heinz
Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz / © Katharina Gebauer (KNA)
Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz / © Katharina Gebauer ( KNA )

Zum Lesen komme sie leider kaum noch, sagt Beate Gilles. Bei der Lektüre von "Das achte Leben", einem georgischen Familienepos von Nino Haratischwili, gehe es nur langsam voran. Sind aber auch mehr als 1.000 Seiten. Eigentlich also wie geschaffen für Beate Gilles von der Abteilung Langstrecke. Dranbleiben, auch wenn es knifflig wird, gehört zu den Kernkompetenzen in ihrem Job als Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz.

Seit 2021 bekleidet Gilles das Amt. Als erste Frau, wie damals immer wieder betont wurde, und Vertraute des bisherigen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Georg Bätzing. Nun geht es in die nächste Runde: Die Bischöfe wählten Gilles für weitere sechs Jahre in das Amt, das an einer zentralen Stelle der katholischen Kirche in Deutschland angesiedelt ist.

Arbeitsschwerpunkt Synodaler Weg

Die Einordnung als "erste Frau" hafte ihr wohl weiter an, sagt sie. "Es bleibt für die Leute ein Symbol - und ich versuche, mir das positiv zu eigen zu machen." Solange ausschließlich Männer in der katholischen Kirche Priester oder Bischöfe werden könnten, werde sich daran nichts ändern. Bedauert sie das? Als katholische Frau aus Deutschland müsse sie respektieren, dass die Weltkirche andere Schwerpunkte setze, entgegnet Gilles. Aber der von den Bischöfen und dem Laien-Dachverband ZdK initiierte Synodale Weg habe dieses und viele andere Themen auf den Tisch gebracht. Das lasse für die Zukunft hoffen.

Beate Gilles (l.), Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), beim Pressestatement zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 23. Februar 2026 im Burkardushaus in Würzburg / © Katharina Gebauer (KNA)
Beate Gilles (l.), Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), beim Pressestatement zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 23. Februar 2026 im Burkardushaus in Würzburg / © Katharina Gebauer ( KNA )

Der nicht nur im Vatikan zu Teilen kritisch gesehene Reformdialog war einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit als Generalsekretärin in den vergangenen Jahren. Am Sitz des Sekretariats der Bischofskonferenz in Bonn ist sie für rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig. Das erklärte Ziel: die rund 60 Bischöfe und Weihbischöfe darin zu unterstützen, "gemeinsam ihre Verantwortung für die katholische Kirche in Deutschland wahrzunehmen".

Daneben ist Gilles als Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen in Deutschland (VDD) mit zuständig für die Verteilung von Kirchensteuermitteln an Hilfswerke, Verbände und kirchliche Medienunternehmen. Das alles vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Mitgliederzahlen weiter zurückgehen und die finanziellen Spielräume kleiner werden. Trotzdem, davon ist Gilles überzeugt, habe die Kirche Potenzial, positive Akzente in einer Gesellschaft zu setzen, in der die Zukunftsangst umgeht. Sozialstaat, Europa, die Sehnsucht nach Frieden nennt sie als Beispiele.

Diplomatisches Geschick gefragt

Es gibt genügend Themen, die mit Blick auf das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft weiter hohe Wellen schlagen. Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch gehört dazu, der Umgang mit sexuellen Minderheiten, aber auch politische Positionierungen wie die vor zwei Jahren von den Bischöfen verabschiedete Erklärung zum völkischen Nationalismus. Dafür braucht es Kommunikationstalent und diplomatisches Geschick.

"Der Herrgott hat mich mit einer großen Gelassenheit gesegnet - das habe ich in den vergangenen fünf Jahren gespürt", sagt Gilles. Ihr Vorgänger, Jesuitenpater Hans Langendörfer, moderierte manches in rheinisch-jovialem Ton weg. Gilles, die ebenfalls aus dem Rheinland stammt, besitzt bei öffentlichen Auftritten mitunter die Gabe, scheinbar Gegensätzliches ins Unbestimmte aufzulösen. Über den Synodalen Weg etwa sagte sie unlängst: "Der Kulturwandel hat begonnen, und eine Kultur muss aber auch noch gefunden werden."

Den Kulturwandel in der Kirche weiter zu begleiten – das ist der 55-Jährigen jedenfalls ein Anliegen. "Sprache und Tun müssen zusammenpassen", lautet ihr Credo. So wie bei der unlängst verstorbenen CDU-Politikerin Rita Süssmuth, deren Gradlinigkeit sie etwa beim Engagement für Aids-Kranke auch gegen Widerstände bewunderte. Sie selbst kann ihr Engagement als Generalsekretärin der Bischöfe nun für weitere sechs Jahre fortsetzen. Den langen Atem dafür bringt die passionierte Langstreckenläuferin zweifelsohne mit.

Beate Gilles

Beate Gilles ist die erste Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz und Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD). Die katholischen Bischöfe wählten sie bei ihrer Frühjahrsvollversammlung 2021 als Nachfolgerin von Pater Hans Langendörfer. Gilles ist die erste Frau und Nicht-Geistliche an der Spitze des Konferenz-Sekretariates.

Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA