Pilgern auf dem Jakobsweg in Kroatien wieder entdeckt

Alte Routen wiederbelebt

Der Jakobsweg führt auch über den Balkan. In Kroatien hat die Jakobsbruderschaft historische Routen wiederbelebt, die nun Pilger neu erleben können. Dafür ist sie jetzt von der Regierung im spanischen Galicien ausgezeichnet worden.

Autor/in:
Andreas Drouve
Die Ruine des Klosters Mirine auf der Insel Krk in Kroatien liegt am Jakobsweg "Camino Krk". / © Andreas Drouve/KNA (KNA)
Die Ruine des Klosters Mirine auf der Insel Krk in Kroatien liegt am Jakobsweg "Camino Krk". / © Andreas Drouve/KNA ( KNA )

Alle Wege führen nach Santiago de Compostela. Seit der wundersamen Entdeckung des vermeintlichen Grabes des Apostels Jakobus im 9. Jahrhundert bildete sich quer durch Europa ein Netzwerk aus Jakobswegen heraus, darunter auch auf dem Balkan. Für das heutige Kroatien sind die Pilgerzüge seit dem Jahr 1203 dokumentiert, dürften aber in deutlich frühere Zeiten zurückreichen.

Bruderschaften leisteten stets einen wichtigen Beitrag, um Pilger zu unterstützen. Daran knüpft die kroatische Sankt-Jakobsbruderschaft an, die das kulturelle, historische und spirituelle Erbe des Jakobswegs fördert. Die Mühen dieser Non-Profit-Organisation hat nun die Regionalregierung im spanischen Galicien anerkannt: durch die Auszeichnung mit dem renommierten Elías-Valiña-Preis.

Namensgeber des Preises ist der galicische Pfarrer Elías Valiña (1929-1989), der in den 80er Jahren als einer der Pioniere bei der Wiederentdeckung des Jakobsweges in Spanien mithalf. Ohne ihn und andere wäre der Jakobsweg nicht zu dem geworden, was er in Anknüpfung ans Mittelalter wieder ist: die bedeutendste christliche Wallfahrtsroute der Welt, auf der man im Idealfall zuletzt bei sich selber ankommt. Das Ziel Santiago de Compostela liegt in Spaniens Nordwesteck in der Region Galicien.

Wegenetz von knapp 2.400 Kilometern

Die kroatische Sankt-Jakobsbruderschaft stellt einen eigenen Pilgerausweis aus und tritt seit 2019 als Wegbereiter der Revitalisierung alter Strecken in Aktion. Mittlerweile sind in Kroatien knapp 2.400 Kilometer ausgewiesen worden, ob parallel zur Adriaküste oder durch die Bergwelten. Der geflügelte Begriff für eine Route lautet "Camino", das spanische Wort für Weg.

Der Jakobsweg Camino del Norte im spanischen Galizien / © dcuesta (shutterstock)
Der Jakobsweg Camino del Norte im spanischen Galizien / © dcuesta ( shutterstock )

Mittlerweile gibt es unterschiedlichste Stücke wie den "Camino Central Dalmatia" (127 Kilometer), den "Camino Sibenik" (108 Kilometer) und den "Camino Zadar" (154 Kilometer). Der 152-Kilometer-Abschnitt des "Camino Krk" führt in sieben Etappen über die Insel Krk und verbindet sakrale Highlights miteinander, darunter Kirchen wie Mirsine, St. Dunat und St. Lucija. Auch das wichtigste Wallfahrtsziel der Insel, das Marienheiligtum von Goricka, ist in den Verlauf eingebunden.

Pilger folgen, wie auf dem klassischen Jakobsweg durch Nordspanien, den gelben Pfeilen (obgleich vom Muster leicht abweichend) und steuern Stellen zum Selberstempeln in den Pilgerausweis an. Pilgerherbergen, wie auf dem Klassiker, finden sich auf Krk allerdings nicht. Natürlich haben Wege wie diese auch ihren Stellenwert im Tourismus - sie sollen Besucher animieren, Kroatien auf neue, aktive und vielleicht auch spirituelle Art kennenzulernen.

In Zukunft weitere Strecken

Im Sinne der Förderung der Traditionen schreitet der Ausbau der Routen in Kroatien weiter voran, ob ostwärts von Serbien her oder nordwestlich weiter nach Slowenien. Der Elías-Valiña-Preis, dotiert mit 15.000 Euro, dürfte den ehrenamtlichen Planern und Unterstützern der kroatischen Sankt-Jakobsbruderschaft weiteren Ansporn für die Zukunft geben. Ante Bla·evic, der Vorsitzende der Bruderschaft, betont: "Diese Auszeichnung ist eine Feier des Camino als lebendiges europäisches Erbe. Durch die Wiederherstellung der kroatischen Pilgerwege entfachen wir die kulturellen und spirituellen Verbindungen neu, die unseren Kontinent seit Jahrhunderten vereinen. Jeder Schritt auf diesen Wegen ist ein Schritt zur Wiederentdeckung unserer gemeinsamen europäischen Identität."

In Kroatien, ob als Ausgangs- oder Durchzugsland, begeben sich die Jakobspilger auf eine lange Reise, die zu Fuß Wochen und Monate dauern kann. Ab der Hauptstadt Zagreb verbleiben weit über 2.000 Kilometer bis Santiago de Compostela. Wer vor vielen Jahrhunderten pilgerte, ging unter unsäglichen Strapazen zum Jakobusgrab und dann wieder zurück in die Heimat, sofern die Gesundheit mitspielte. Im vergangenen Rekordjahr, als 530.994 Pilger aus aller Welt in Santiago de Compostela ihr Diplom erhielten, kamen knapp 1.300 Ankömmlinge aus Kroatien.

Jakobsweg

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und schließlich Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus ins spanische Santiago de Compostela. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem "heiligen Ort", an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

 © Sonja Geus (DR)
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Quelle:
KNA