Langweilige Predigten in Gottesdiensten sind aus Sicht des Theologen Franziskus Knoll ein Ergebnis verschiedener Faktoren. "Natürlich spielt rhetorisches Talent eine Rolle, aber wichtiger ist, ob die Predigt lebendig und relevant ist", sagte Knoll am Montag im Interview des Schweizer Portals "kath.ch".
Manchmal liege es an einer zu akademisch-trockenen Auslegung, manchmal fehle auch der "mutige, persönliche Zugang - etwa, wenn jemand nur vom Blatt abliest und keinen echten Kontakt zur Gemeinde sucht". Knoll ist Dominikaner und lehrt als Professor für Pastoraltheologie und Homiletik an der Theologischen Hochschule im Schweizer Chur.
Entscheidend sei, ob das Thema der Predigt auch den Prediger motiviere, so der Theologe weiter. "Wenn ich selbst nicht für das Thema brenne, muss ich mich nicht wundern, dass die Gottesdienstbesucher abschalten. Das spürt man an der Atmosphäre." Die Predigt als Sonderform der Überzeugungsrede könne man zwar in der Theorie lernen, doch: "Tatsächlich zu predigen lernt man aber nur durch Übung, Feedback und den Mut, sich auszuprobieren."
Hinter dem stehen, was man predigt
Eine gute Predigt braucht laut Knoll biblische Tiefe, ohne "im Elfenbeinturm stecken" zu bleiben, einen Lebensbezug und Authentizität. "Die predigende Person predigt sich immer auch selbst und sollte hinter dem, was sie predigt, stehen - dafür brennen." Wichtig sei besonders der Einstieg, betonte Knoll. "Wenn das Thema und das Grundgerüst stehen, sollte ich mir Gedanken um einen pfiffigen Einstieg machen, der die Lebenswirklichkeit der Gläubigen trifft und in die hinein die Botschaft verkündet wird."
Persönliche Bezüge seien wichtig, sollten jedoch maßvoll in eine Predigt eingebaut werden. "Entscheidendes Kriterium wäre für mich, dass das Persönliche dem Gemeindebezug dient - und nicht zur Selbstinszenierung wird", so Knoll.