Im Ulmer Münster werden Touristen und Gottesdienstbesucher auf ein riesiges Gerüst schauen. Um Sanierungsarbeiten an der Decke, den hoch gelegenen Fenstern und dem Wandfresko "Weltgericht" vor dem Chorraum der größten protestantischen Kirche Deutschlands zu ermöglichen, wird ein 42 Meter hohes, gut 13 Meter breites und über
100 Tonnen schweres Alugerüst im Kirchenschiff installiert. Bis Ostern solle das Gerüst stehen, sagte der Münsterdekan Torsten Krannich am Montag bei einer Pressekonferenz.
Im Frühjahr 2023 war ein größeres Stück des Deckenverputzes in die Kirche gestürzt, die seitdem teilweise gesperrt ist. Das Großgemälde "Weltgericht" entstand Ende des 15. Jahrhunderts und zeigt Christus als Weltenrichter. Es umfasst 145 Quadratmeter und gilt als das größte mittelalterliche Fresko nördlich der Alpen.
Analyse der Schäden
In einer ersten Phase werden die Schäden genau analysiert, erläuterte Markus Gebhardt, stellvertretender Leiter der Ulmer Münsterbauhütte, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dafür laufe bereits eine Ausschreibung. Erst nach diesen Befunden könnten die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen und ließen sich die Kosten abschätzen. Da die Restaurierungsarbeiten zeitaufwendig seien, rechnet Münsterbaumeister Gebhardt damit, dass das Riesengerüst sieben Jahre lang im Münster steht.
Zugang zum Münsterturm offen
Der Zugang zum Münsterturm ist den Angaben zufolge durch die Bauarbeiten nicht beeinträchtigt. Bis Ende Juni 2027 soll zum 650-jährigen Bestehen des Münsters der Turm, der mit gut 161 Metern der weltweit zweithöchste Kirchturm ist, wieder bis zur höchsten Plattform in 143 Metern Höhe begehbar sein.
Davor müssen noch Treppenstufen erneuert und Auflagen des Brandschutzes umgesetzt werden. Bisher ist nur ein Aufstieg zu einer 102 Meter hohen Galerie möglich. Das Ulmer Münster besuchen im Jahr rund eine Million Menschen. Über 100.000 wagen den Turmaufstieg auf einer engen Wendeltreppe.