Mit "Hätz" und "Verstand" wollen Lars Gippert und Christian Jäger die Katholische Jugendagentur Bonn (KJA Bonn) leiten. Die beiden neuen Geschäftsführer des Trägers für Jugendhilfe und -pastoral im Süden des Erzbistums Köln haben vor wenigen Tagen den Staffelstab von ihrem Vorgänger Rainer Braun-Paffhausen übernommen. Genauer genommen zwei Staffelstäbe, denn die KJA Bonn wird erstmals von einer Doppelspitze geführt. "Hätz" und "Verstand" sind als Wünsche auf den Stäben eingraviert. "Das ist so etwas wie unser internes Motto", sagt Gippert.
Die beiden neuen Geschäftsführer sind sicher gut damit beraten, ihre Arbeit nach diesem Motto auszurichten. Denn im November 2024 sorgte die KJA Bonn für Schlagzeilen: Im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens musste sie sich wirtschaftlich stabilisieren. Der Grund dafür waren gestiegene Kosten bei gleichbleibender oder sogar verringerter Finanzierung durch die Kommunen. Viele Mitarbeitende und Eltern von durch den katholischen Träger betreuten Kindern und Jugendlichen waren verunsichert.
"Der Kostendruck wird mit Sicherheit zunehmen"
Doch Ende Juni 2025 wurde das Schutzschirmverfahren mit einem Insolvenzplan abgeschlossen, und die Bonner Jugendagentur steht heute finanziell konsolidiert da. "Für die mittelfristige Zukunft sind wir gut aufgestellt – und wir tun alles dafür, damit das auch so bleibt", sagt Jäger. Der 45-jährige Diplom-Kaufmann hat lange im Gesundheitswesen gearbeitet und in der neuen Doppelspitze die "Finanzbrille" auf, wie er selbst sagt.
Jäger begrüßt das in der KJA Bonn durch das Schutzschirmverfahren gewachsene Bewusstsein für die Wirtschaftlichkeit des Trägers. Denn er macht sich und anderen keine Illusionen: "Der Kostendruck wird mit Sicherheit zunehmen." In den vergangenen Monaten hat die KJA Bonn darauf reagiert und Einrichtungen, die nicht mehr rentabel waren, an andere Träger übergeben. Auch durch mehr Digitalisierung soll Geld eingespart werden.
Für den Blick auf Pädagogik und Pastoral ist im Geschäftsführer-Tandem vor allem Gippert zuständig. Der 41 Jahre alte Theologe und Finanzbuchhalter ist so etwas wie ein KJA-Urgestein. "Ich bin seit mehr als zwölf Jahren bei der Katholischen Jugendagentur Bonn und damit fast seit ihrer Gründung 2013", erklärt Gippert. Er zeigt sich begeistert von der wichtigen Arbeit, die die etwa 800 Mitarbeitenden der KJA in den über 80 Einrichtungen oder Projekten leisten.
"Die KJA Bonn lebt, glaubt und mischt sich ein"
"Wir haben zwei inhaltliche Säulen: Zum einen unsere pädagogische Arbeit in Schulen, in der Offenen Ganztagsbetreuung, in der Jugendsozialarbeit oder der Eingliederungshilfe." Darin bestehe der weitaus größte Teil der Arbeit der KJA. "Zum anderen engagieren wir uns als Träger für die kirchliche Jugendarbeit und die Pastoral in den Pfarrgemeinden", so Gippert. Beiden neuen Geschäftsführern ist das klare christliche Profil der gemeinnützigen GmbH wichtig. "Die KJA Bonn lebt, glaubt und mischt sich ein" – diesen Slogan ihres Unternehmens nehmen sie sich zu Herzen.
Denn mit dieser Energie sind Jäger und Gippert nun in ihre neue Aufgabe gestartet. Sie wollen die Bonner Jugendagentur nicht nur finanziell und strukturell fit für die Zukunft machen. "Wir planen auch einen kleinen Strategieprozess", sagt Jäger. "Wir wollen sehr viel zuhören, die Einrichtungen besuchen und mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen." Gippert ergänzt: "Wir haben keine fertige Vision für die Zukunft in der Schublade, sondern wir wollen auf den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden und vor allem die Realität der von uns betreuten Kinder und Jugendlichen schauen." Und das alles in den kommenden Jahren mit "Hätz" und "Verstand".