Neuer Talk mit inspirierenden Menschen und Geschichten im Radio

"Die Guten müssen sich stärker vernetzen"

Weinprinzessin, Wissenschaftlerin, Weltverbesserin: Carolin Hillenbrand engagiert sich für Dialog über Glaubens- und Kulturgrenzen hinweg. Warum sie fest ans Gute im Menschen glaubt, erzählt sie im Podcast "Glaube*Liebe*Hoffnung".

Autor/in:
Hilde Regeniter
Symbolbild Podcast / © Alex from the Rock (shutterstock)
Symbolbild Podcast / © Alex from the Rock ( shutterstock )

Ihr Lieblingswein ist der Rote Riesling, der eigentlich ein Weißwein ist: Carolin Hillenbrand kommt aus einer Winzerfamilie an der Hessischen Bergstraße und war Deutsche Weinprinzessin 2019/20. Dass sie in ihrer Person viele Gegensätze vereint, hat sie schon früh gehört. Wenn sie zum Beispiel als Jugendliche am Samstag bis in die Puppen feiern ging, aber trotzdem am Sonntagmorgen im Gottesdienst an der Orgel saß.

Genauso hat sie einerseits als Weinbotschafterin begeistert vor Menschen im In- und Ausland vom Rebensaft aus Deutschland erzählt, andererseits aber auch stundenlang über Büchern und Dateien gebrütet und nüchterne Statistiken ausgewertet. Denn Carolin Hillenbrand machte nicht nur als Weinhoheit mit Diadem auf dem Kopf eine gute Figur, sie hat auch ihre Doktorarbeit mit Bestnote abgeschlossen – über die Bedeutung von Religion für den Zusammenhalt von Gesellschaften.

Aufgewachsen in einer katholischen Familie 

Aufgewachsen in einer katholischen Familie hat sie von klein auf erlebt, welche Kraft der Glauben hat. "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben" war der Erstkommunionsspruch der Winzertochter. Um ihrem Glaubensleben auch ein intellektuelles Fundament zu geben, studierte sie im Nebenfach Theologie, im Hauptfach Politikwissenschaften. 

Carolin Hillenbrand bei ihrer Doktorfeier. Ihre Arbeit trägt den Titel: „Religion als Kitt oder Keil?" / © Johannes Kahmann  (privat)
Carolin Hillenbrand bei ihrer Doktorfeier. Ihre Arbeit trägt den Titel: „Religion als Kitt oder Keil?" / © Johannes Kahmann ( privat )

Am Exellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster konnte Hillenbrand ihre Interessen an der Schnittstelle zwischen Religion und Gesellschaft zusammenbringen und schließlich darüber in Religionssoziologie promovieren.

Dass sie "tief verwurzelt und weit verästelt" ist, wie eine Journalistin einmal über Carolin Hillenbrand geschrieben hat, trifft es auf den Punkt. Sie bleibt ihrer hessischen Heimat mitsamt den Weingütern eng verbunden, reist aber genauso gerne durch die Welt.

Die Welt der Politik verstehen

Internationale Beziehungen haben sie schon immer interessiert. Sie wollte die Welt der Politik verstehen, sagt sie, um die Welt besser zu machen. Denn – aller Beschäftigung mit Realpolitik zum Trotz – glaubt Hillenbrand weiter an das Gute im Menschen. 

"Die Guten müssen sich bloß noch viel stärker vernetzen", ist sie überzeugt und versucht genau das, im Privaten wie im Arbeitsleben, selbst zu verwirklichen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie die potenzielle Enge einer Paarbeziehung in alternativen Wohnformen geweitet, immer auch auf eine größere Gemeinschaft gesetzt. 

So lebten sie jahrelang in einer Kirchen-WG der Kölner Gemeinde Sankt Theodor und wohnen heute in einem Cohousing-Projekt in Düren. Von dort pendelt sie zu ihrer aktuellen Arbeitsstelle in Bonn als Referentin für die Bischöfliche Studienförderung des Cusanuswerks.

Kontakt mit Andersdenkenden und Andersgläubigen

Besonders wichtig ist Carolin Hillenbrand schon seit längerem, in Kontakt mit Andersdenkenden und Andersgläubigen zu sein. Sie hat die ursprünglich aus Frankreich stammende interreligiöse Jugendbewegung "Coéxister" auch in Deutschland mitbegründet und organisiert seitdem Treffen und Veranstaltungen mit jungen Leuten ganz unterschiedlicher Herkunft und Religion, mit Juden und Palästinensern, Buddhisten und Musliminnen, Protestanten und Katholikinnen.

"Diversität ist wahnsinnig anstrengend", sagt sie – und auch, dass sie sich manchmal bei Coéxister tatsächlich nur auf ein "We agree to disagree" (Anmerkung der Redaktion: "Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind.") einigen können. Wenn Worte nicht weiterführen, so ihre Erfahrung, kann gemeinsame Stille manchmal Wunder wirken. 

Dass interreligiöse Netzwerke in vielen kleinen Schritten tatsächlich auch in den großen festgefahrenen Konflikten etwas bewirken können, ist Carolin Hillenbrands Überzeugung. Ihr fällt dazu ein Zitat von Mutter Teresa ein, das sie schon durch ihre Kindheit und Jugend getragen hat: "Wir sind uns bewusst, dass das, was wir tun, nur ein Tropfen im Ozean ist. Aber gäbe es diesen Tropfen nicht, würde er im Ozean fehlen."

Über den Podcast:

Der Podcast "Glaube*Liebe*Hoffnung" handelt von Menschen, die anpacken, Verantwortung übernehmen und Hoffnung machen. Solche Geschichten gibt es öfter, als Schlagzeilen vermuten lassen. Es sind Geschichten, die Mut machen, den Blick weiten und den Glauben an Mensch, Gott und Welt stärken. Alle 14 Tage montags um 19 Uhr im DOMRADIO und jederzeit unter DOMRADIO.DE abrufbar.

Quelle:
DR

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