Mitten in der Kölner Innenstadt liegt die Basilika St. Aposteln. Sie ist eine der zwölf romanischen Kirchen Kölns. Vor der Kirche breitet sich der Neumarkt aus – einer der großen zentralen Plätze in der Rheinmetropole. Straßenbahnen, Autos, Busse, Pendler, Touristen, Passanten und Drogenabhängige prägen die Stadtlandschaft. Auf diese Szenerie blickte sie von der Ostkonche der Kirche herab: die Muttergottes vom Neumarkt aus dem 15. Jahrhundert.
"Eine wunderschöne Figur", findet Innenstadtpfarrer und Domkapitular Dominik Meiering. Der promovierte Kunsthistoriker schwärmt regelrecht von der spätmittelalterlichen Skulptur. "Sie ist hervorragend gearbeitet. Die Madonna gehört sicher zu den besten spätgotischen Skulpturen, die wir in Köln haben", sagt Meiering.
Ein halbes Jahrtausend Stadtgeschichte
Knapp 500 Jahre erlebte die Madonna Kölner Stadtgeschichte mit: Das Spätmittelalter, die Industrialisierung, Reformation und Gegenreformation, Säkularisation, Kriege, Besatzung und Befreiung. Den Zerstörungen von 1942 bis 1944 im Zweiten Weltkrieg fiel die Skulptur ebenso wie die Kirche zum Opfer.
Schwer beschädigt wurde die Muttergottes geborgen und notdürftig restauriert. Ein Abguss der originalen Figur wurde im Zuge des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit angefertigt und in der Nische zum Neumarkt angebracht. Diese Replik steht auch heute dort. Das Original stand in den letzten Jahrzehnten in der Aposteln-Aula. "Sie stand dort wie abgestellt", fand Pfarrer Meiering. So entwickelte sich der Plan, das Original wieder "zu neuem Leben zu erwecken" und zu restaurieren.
Bedauerlicher Zustand
Mit Unterstützung der "KastanienHof Stiftung" wurde die Originalfigur in den Händen der beiden Restauratorinnen Susanne Brinkmann und Christina Verbeek anvertraut. Die Figur war in der Nachkriegszeit nur provisorisch für den Abguss der Replik vorbereitet worden. Mit Ton und Leinölkitt wurden Ergänzungen gemacht. "Sie war in einem sehr bedauerlichen Zustand", erklärt Restauratorin Brinkmann.
Die beiden Kölner Restauratorinnen gingen behutsam bei der Tuffstein-Figur vor, die wohl für den Abguss in zwei Teile zersägt worden war: "Wir haben aus zwei Teilen wieder eins gemacht und haben Ergänzungen ausgeführt, um den Faltenwurf wieder zu komplettieren. Die fehlende Nase und die Fußspitze wurden ergänzt." Die beiden Restauratorinnen haben der Figur so wieder einen "würdigen Charakter und Gesamteindruck" verleihen wollen, so Susanne Brinkmann vom Atelier für Restaurierung und Konservierung Köln.
Feierliche Einsegnung
Ihren neuen Platz hat die Originalmadonna nun nach der Restaurierung direkt im Hauptschiff von St. Aposteln gefunden. Kerzen und Blumen schmücken sie bereits heute schon. Pfarrer Meiering hofft, dass die Gläubigen, die die romanische Kirche besuchen, auch mit der Muttergottes vom Neumarkt einen Ort entdecken, um die "besondere innerliche Frömmigkeit und Verehrung der Gottesmutter und des Jesuskindes" zu finden.
Am 2. Februar 2026, an Maria Lichtmess, um 18 Uhr, wird die Skulptur im Rahmen eines Festgottesdienstes eingesegnet werden und so an ihrem neuen Standort willkommen geheißen. Pfarrer Meiering freut sich aber auch darüber, dass mit der Replik auch weiterhin eine Madonna über den Neumarkt und die Menschen wacht. Es könne da keine leere Nische sein, wo jahrhundertelang eine Gottesmutter gewesen ist, findet Meiering. Auch er freue sich immer wieder, die Muttergottes dort zu sehen und zu ihr kurz wie viele andere zu sagen: "Pass schön auf mich auf hier!"