Europäische Rabbiner diskutieren interreligiösen Dialog in Jerusalem

Kein Frieden ohne Religion

Wie viel Religion braucht der Frieden? Diese Frage stand im Zentrum einer Podiumsveranstaltung der Europäischen Rabbinerkonferenz bei deren Tagung in Jerusalem. Kritik gab es zum Beispiel für das "westliche Konzept der Mediation".

Klagemauer in Jerusalem (Archiv) / © Bill Perry (shutterstock)
Klagemauer in Jerusalem (Archiv) / © Bill Perry ( shutterstock )

Kein Frieden ohne Religion, kein Dialog ohne starke Identität: Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Generalversammlung der orthodoxen Europäischen Rabbinerkonferenz (CER) in Jerusalem am Dienstagabend. Die Verbundenheit mit dem Schöpfer sei "der einzige Weg", untereinander Verbindungen zu schaffen, sagte der israelische Minister für Jerusalem-Angelegenheiten und Kulturerbe, Amichai Elijahu, von der rechtsextremen Partei "Jüdische Stärke".

Ein Rabbiner geht durch eine Gasse in der Altstadt von Jerusalem / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Ein Rabbiner geht durch eine Gasse in der Altstadt von Jerusalem / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Zwar könne Religion missbraucht werden, um Extremismus zu stärken, jedoch könne Religion nicht mit Extremismus gleichgesetzt werden, so Elijahu. Der Kommunismus etwa sei ein Beispiel dafür, dass Extremismus ohne Religion auskomme. Der rechtsextreme Politiker kritisierte das "westliche Konzept der Mediation", in dem Dialog darauf beruhe, dass jeder so viel von seiner Identität aufgebe, bis man sich in einer nebulösen Leere befinde.

Nicht nur kleinster Nenner

Interreligiöser Dialog dürfe nicht auf der Vorliebe für ein Glas Wasser oder für Falafel als kleinstem gemeinsamen Nenner beruhen. Elijahu plädierte stattdessen für eine starke Identität der Gesprächspartner, die zu einer intensiven Diskussion und schließlich zu tiefen Verbindungen führe.

Auch der reformierte deutsche Theologe und Religionswissenschaftler Thomas Paul Schirrmacher kritisierte die verbreitete Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner, der durch jeden neuen Teilnehmer im interreligiösen Dialog "immer kleiner" werde. Er forderte die Religionen auf, für ihre Wahrheit einzustehen und zu ihrer Identität zu stehen. Schirrmacher, der weiten Teilen "auch der christlichen Welt" vorwarf, nach dem Hamasangriff auf Israel aus dem Opfer Israel einen Täter gemacht zu haben, warb für ein "Abraham-Abkommen" der Religionen, analog zu den von Israel initiierten politischen Abraham-Abkommen.

Aus Sicherheit nach Jerusalem verlegt

Das interreligiöse Panel "Glaube, Sicherheit und friedliches Zusammenleben", an dem ursprünglich auch das spirituelle Oberhaupt der Drusen in Israel, Scheich Mowafak Tarif, sowie der Lateinische Patriarchalvikar für Israel, Bischof Rafic Nahra, als katholischer Vertreter teilnehmen sollten, war Teil des Programms der 33. CER-Generalversammlung, die bis Mittwoch dauert. Ursprünglich hätte sie im vergangenen November in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfinden sollen, war aber wegen Bedrohungen aus dem Iran abgesagt und schließlich nach Jerusalem verlegt worden.

Die CER vertritt nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner. Sie wurde 1956 in Großbritannien gegründet, mittlerweile hat sie ihren Hauptsitz in München. CER-Präsident ist der ehemalige Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, der auch Träger des Internationalen Aachener Karlspreises ist.

Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER)

Die Konferenz der europäischen Rabbiner (CER) ist die primäre orthodoxe rabbinische Allianz in Europa. Es vereint mehr als 700 religiöse Führer der Mainstream-Synagogengemeinschaften in Europa. Es wurde 1956 auf Initiative des britischen Oberrabans Sir Israel Brodie gegründet, um die besiegten jüdischen Gemeinden auf dem europäischen Festland wiederzubeleben. Brodie wurde von dem Oberrabbiner von Frankreich, Jacob Kaplan, dem Oberrabbiner von Amsterdam, Aharon Schuster und dem britischen sephardischen spirituellen Führer Hacham Gaon unterstützt.

Rabbiner in einer Jüdischen Synagoge / © Axel Heimken (dpa)
Rabbiner in einer Jüdischen Synagoge / © Axel Heimken ( dpa )
Quelle:
KNA