Wie die digitale Hilfe der Young-Caritas Generationen verbindet

Smartphone-Sprechstunde

Digitale Technik bestimmt das Leben. Für viele Ältere stellt sie aber eine Hürde dar. In der Smartphone-Sprechstunde der Young-Caritas Dortmund helfen junge Ehrenamtliche und schaffen so ein generationenübergreifendes Miteinander.

Autor/in:
Dagmar Peters
Symbolbild Seniorin mit einem Smartphone / © Iryna Imago (shutterstock)
Symbolbild Seniorin mit einem Smartphone / © Iryna Imago ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wie sind die Erfahrungen mit der Smartphone-Sprechstunde? 

Kristina Sobiech (Young Caritas Dortmund): Senioren fragen sehr häufig nach der Smartphone-Sprechstunde. Meistens tun sie das, weil es keine Kinder oder Enkel in der Nähe gibt, die ihnen das sonst erklären könnten. Es geht dabei häufig um Anfängerfragen: Wie setze ich eine SIM-Karte ein oder wie richte ich das Handy ein?

Aber es gibt auch weitergehende Fragen. Wir haben Senioren, die sich für KI interessieren. Sie möchten zum Beispiel wissen, wie das funktioniert, und wollen tiefer in das Thema einsteigen. Anfänger und Fortgeschrittene treffen sich alle bei uns in der Smartphone-Sprechstunde. 

DOMRADIO.DE: Was passiert dabei zwischen Jung und Alt über die Technik hinaus? Welches Feedback geben die älteren Teilnehmenden, und wie erleben diejenigen das Angebot, die ihr Wissen weitergeben? 

Sobiech: Für viele ältere Menschen bedeutet die Smartphone-Sprechstunde vor allem einen Abbau von Klischees. Oft heißt es ja: "Die jungen Leute daddeln doch nur am Handy." In der Sprechstunde erleben sie dann aber, dass die Jüngeren tatsächlich viel Wissen haben und dieses auch weitergeben können. Ich glaube, das führt dazu, dass man vielleicht den nächsten jungen Menschen in der Bahn mit anderen Augen sieht und seine Kompetenz eher erkennt. 

Kristina Sobiech

"Es geht dort nicht nur ums Handy, sondern auch um viele Themen darüber hinaus."

Umgekehrt erlebe ich bei den Jüngeren häufig, dass sie keine Großeltern mehr haben oder diese weit weg wohnen. Über die Smartphone-Sprechstunde kommen sie ganz unkompliziert mit älteren Menschen ins Gespräch. 

Viele freuen sich auch darüber, wenn Wissen in beide Richtungen weitergegeben wird. Eine ältere Dame hat einer Ehrenamtlichen zum Beispiel einmal ganz genau erklärt, worauf man beim Fensterputzen achten sollte, wie feucht der Schwamm sein muss und was dabei wichtig ist. Die Ehrenamtliche hat mir das später stolz erzählt. Das zeigt, dass es dort nicht nur ums Handy, sondern auch um viele Themen darüber hinaus gehr.

DOMRADIO.DE: Inwiefern unterstützt das Projekt die Teilhabe und Selbstständigkeit älterer Menschen im Alltag? 

Sobiech: Uns ist es vor allem wichtig, dass Senioren den Anschluss nicht verlieren. Unsere Gesellschaft, ob städtische Einrichtungen, Banken oder andere Institutionen, vergisst oft die Offliner oder die sogenannten Mini-Onliner. Wir versuchen, für diese Menschen eine Brücke zu bauen. Für diejenigen, die nicht abgehängt werden möchten, ist das besonders wichtig. 

Kristina Sobiech

"Wer heutzutage das Handy gar nicht nutzt, bleibt schnell außen vor."

Ich würde allerdings einen Unterschied zu Menschen mit hohem Pflegegrad oder Demenzerkrankungen machen, wenn wir in Altenheimen unterwegs sind. Dort würde ich die Smartphone-Schulung nicht mehr so direkt ansetzen, weil es auch gefährlich sein kann, etwa wenn jemand unbedacht online einkauft und sich später nicht mehr erinnert, was passiert ist. 

Entscheidend ist, wie fit die Person ist und wie sie durch die Technik Teilhabe erfährt. Man kann zum Beispiel online Museumstickets kaufen, QR-Codes scannen und verstehen, was passiert. Wer heutzutage das Handy gar nicht nutzt, bleibt schnell außen vor. Deshalb ist es wichtig, ältere Menschen hier zu unterstützen. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

youngcaritas

youngcaritas ist die Plattform der Caritasverbände für das soziale Engagement junger Menschen. Das Team von youngcaritas Deutschland hat seinen Sitz im Deutschen Caritasverband in Freiburg. Es unterstützt die deutschlandweit fast 70 youngcaritas-Standorte und Ansprechpartner. (youngcaritas)

Mitglieder der "youngcaritas" (KNA)
Mitglieder der "youngcaritas" / ( KNA )
Quelle:
DR

Die domradio- und Medienstiftung

Unterstützen Sie lebendigen katholischen Journalismus!

Mit Ihrer Spende können wir christlichen Werten eine Stimme geben, damit sie auch in einer säkulareren Gesellschaft gehört werden können. Neben journalistischen Projekten fördern wir Gottesdienstübertragungen und bauen über unsere Kanäle eine christliche Community auf. Unterstützen Sie DOMRADIO.DE und helfen Sie uns, hochwertigen und lebendigen katholischen Journalismus für alle zugänglich zu machen!

Hier geht es zur Stiftung!