Pfarrer Schießler sieht in Zölibat kein Leben in Einsamkeit

Beziehung trotz Enthaltsamkeit

Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler lebt trotz Zölibats in einer Beziehung. Für ihn gibt es fünf Arten der Liebe. Dabei setzt der Pfarrer auf Nähe, Fürsorge und Verantwortung und er verrät, was die schönste Form der Liebe ist.

Ein Priester in der Sakristei / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ein Priester in der Sakristei / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Fünf verschiedene Arten von Liebe erkennt der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler (65). "Weil sich die Liebe in fünf Erscheinungsweisen anbietet, kann jeder sich einordnen, in welcher er gut ist", sagte er im Interview der "Allgäuer Zeitung" am Sonntag. Er selbst sei beispielsweise ein guter Zuhörer oder teile gerne Komplimente aus. "Es gibt aber nur einen, der alle Sprachen der Liebe spricht – und das ist der liebe Gott."

Die schönste Form der Liebe

Seine Beziehung zu einer Frau, die er seit 30 Jahren kennt, erklärt der als katholischer Priester zum Zölibat verpflichtete Schießler so: "Wir haben spüren dürfen, dass da ein Mensch einem unglaublich wichtig ist, dass er Teil deines Lebens ist." Nie sei es darum gegangen, seinen Lebensentwurf zu verwerfen und Ehemann zu spielen. Der über München hinaus bekannte Pfarrer und Autor erklärte weiter, sein persönlicher Verzicht auf Ehe und Familie bedeute nicht, "dass ich zur Einsamkeit verurteilt sein muss".

Pfarrer Rainer Maria Schießler mit seiner Hündin Pia in seiner Wohnung in München. / © Dieter Mayr/KNA (KNA)
Pfarrer Rainer Maria Schießler mit seiner Hündin Pia in seiner Wohnung in München. / © Dieter Mayr/KNA ( KNA )

Ihr gemeinsamer Weg sehe so aus: "Jeder von uns hat seine eigene Wohnung, seinen eigenen Lebensmittelpunkt, gemeinsam aber dürfen wir unser Leben verbringen. Das bedeutet ganz besonders die ständige Fürsorge füreinander. Man fühlt sich füreinander verantwortlich, was für mich ganz persönlich die schönste Form der Liebe ist." 

Es gebe viele Formen der Liebe, die gelebt werden könnten, ohne selbst gesetzte Grenzen überschreiten zu müssen. Es sei wichtig, trotz Zölibats nicht zu verkümmern und lieblos zu leben: "Die Liebe ist eine Kraft, die jedem von uns zusteht. So möchte ich es auch ganz bewusst leben."

Eltern: "Die mächtigsten Menschen der Welt"

Liebe sei eine Grundkraft, die in jedem Menschen stecke. Deswegen seien Eltern "die mächtigsten Menschen der Welt", weil sie es in der Hand hätten, ob ihr Kind ein liebender Mensch werde oder nicht. Leider habe nicht jeder Mensch die notwendige Liebe erfahren.

Beim Thema Feindesliebe gehe es nicht darum, nach diesem Prinzip Politik zu machen: "Putin dürfte auch kein Vernunftgrund an den Verhandlungstisch zurückbringen, bestenfalls kann man ihn wirtschaftlich klein machen", sagte Schießler. Feindesliebe diene stattdessen "nur mir selbst" - sie gebe "Kraft und die Würde, in all dem Chaos des Hasses und Gewalt zu bestehen".

Zölibat

Das Wort "Zölibat" kommt von dem lateinischen Ausdruck caelebs, was so viel bedeutet wie ehelos. Der Begriff "Zölibat" bezeichnet die von Priestern und Mönchen zahlreicher Religionen geforderte Ehelosigkeit und den Verzicht auf jede Form der sexuellen Betätigung. Begründet wird der Zölibat in erster Linie mit dem Hinweis darauf, dass Jesus Christus selbst ehelos war und die Ehelosigkeit "um des Himmelreiches willen" für diejenigen empfahl "die es erfassen können" (Mt 19,12).

Zölibat: Debatte dauert an / © Katharina Ebel (KNA)
Zölibat: Debatte dauert an / © Katharina Ebel ( KNA )
Quelle:
KNA