Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat religiöse Rechtfertigungen für Kriege kritisiert und vor dem Missbrauch des Namens Gottes für politische Machtansprüche gewarnt. Bei einem Gottesdienst in Bingen sagte der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi am Sonntag, Kriege würden immer wieder mit Gott begründet, tatsächlich gehe es aber "um Macht, Geld, Eitelkeit und Größenwahn".
Ohne Putin und Trump namentlich zu nennen, ging der Bischof auf die Präsidenten Russlands und der USA ein: "Wir leben in einer kriegsgeplagten Welt, in der eine Partei den Krieg damit begründet, sich gegen eine gottlose und dekadente westliche Welt zur Wehr setzen zu müssen, um auch eine alte Reichsidee aufleben zu lassen."
Und der "Präsident einer anderen Weltmacht zeigt sich ebenfalls als ein Auserwählter Gottes. Das scheint ihn für alle möglichen Machtansprüche teils auch gegen geltendes Recht zu legitimieren."
Friedensgruß alles andere als harmlos
Der Friedensgruß "Der Friede sei mit euch", mit dem Papst Leo XIV. die Gläubigen direkt nach seiner Wahl am Petersplatz begrüßt habe, sei alles andere als harmlos, fügte Kohlgraf hinzu. In einer von Kriegen geprägten Welt erklärten politische Akteure Gewalt immer wieder mit angeblichen göttlichen Aufträgen und stilisierten sich selbst als Auserwählte. Solche religiösen Selbstdarstellungen entlarve der Friedensgruß als Gotteslästerung.
Wer Gott zur Legitimation von Gewalt benutze, verstoße gegen das biblische Gebot, den Namen Gottes nicht zu missbrauchen. Gott sei kein Kriegsgott; jede Überhebung über andere Menschen und jede Gewalt widersprächen dem Willen Gottes.
Sehnsucht nach Frieden nicht naiv
Kohlgraf ergänzte, er sei kein Politiker, sehne sich aber als Christ nach einem dauerhaften Frieden, der "auf Menschenwürde, Recht, Gerechtigkeit, Solidarität und internationaler Freundschaft" gründe. Diese Haltung werde oft als naiv kritisiert, sei aber notwendig.
Friedensethische Debatten seien kein verzichtbarer Luxus, sondern dringlicher denn je, so der Bischof weiter. Ein gerechter Friede werde am Ende nicht durch Waffen erreicht.
Kohlgraf würdigte das Engagement von Friedensinitiativen und kirchlichen Gruppen, die sich bewusst der Logik der Gewalt verweigerten. Christinnen und Christen seien aufgerufen, sich in politische Debatten einzumischen, ohne den Anspruch zu erheben, den Willen Gottes eindeutig zu besitzen. Sicher sei jedoch, "dass eine Logik der Gewalt auf Dauer nicht dem Willen Gottes entsprechen kann".