DOMRADIO.DE: Was genau sehen wir auf dem neuen Mosaik?
Ulrich Nersinger (Vatikanexperte): Wir sehen ein Bild des Papstes im Messgewand und natürlich mit dem Pallium, dem Würdezeichen der Päpste. Es ist in Sankt Paul vor den Mauern zu finden, der Begräbniskirche des Völkerapostels Paulus. Da fragt man sich natürlich, warum sind dort die Päpste abgebildet? Das kann verschiedene Gründe haben, wahrscheinlich greifen diese Gründe auch ineinander. Einerseits wollte man die enge Verbindung von Petrus zu Paulus zeigen, aber vielleicht auch die Vormachtstellung des Petrus.
DOMRADIO.DE: Warum ist es nicht im Vatikan zu sehen?
Nersinger: Das würde nicht passen. Die Bauten, also Sankt Peter und Sankt Paul vor den Mauern unterscheiden sich doch sehr. Sankt Paul ist eigentlich eine Kirche, die sich wirklich eignet für so eine große Anzahl von Bildern.
DOMRADIO.DE: Das Mosaik hängt in 13 Metern Höhe, eine gewisse Größe braucht es also. Wer hat es gestaltet?
Nersinger: Es handelt sich um die vatikanische Mosaikwerkstatt, die es in ihrer heutigen Form im Grunde schon seit dem 16. Jahrhundert gibt. Sie war ursprünglich dafür gedacht, die Mosaiken im Petersdom herzustellen, aber auch für die anderen päpstlichen Basiliken. Es ist eine wirklich fantastische Mosaikwerkstatt, die vieles Außergewöhnliche in sich vereint. Sie war so hervorragend, dass sie weltweit bekannt war und auch Aufträge von außerhalb erhielt.
Wenn man die Werkstatt besucht, erfährt man Dinge, die man kaum für möglich hält: In ihren Apparaten, Kisten und Lagern verfügen sie über rund 26.000 verschiedene Farbnuancen für Mosaike. Besonders ist auch, dass sie über geheime Rezepturen verfügen, mit denen die Mosaiksteine hergestellt, bearbeitet und angebracht werden. Diese Geheimnisse wurden streng gehütet und werden es bis heute.
Die Werkstatt war so berühmt und angesehen, dass sie sogar zum Ziel von Spionage wurde. Als der sächsische Kurfürst Friedrich August II. den Bau der Hofkirche plante, schickte er Leute nach Rom, um sich über die Arbeitsweise der vatikanischen Mosaikwerkstatt zu informieren, oder besser gesagt: zu spionieren, welche Methoden, Pasten und Rezepturen verwendet wurden.
Das wurde später zu einer regelrechten Kriminalgeschichte. Daran sieht man, wie hoch geschätzt die Arbeit der vatikanischen Mosaikwerkstatt war – und bis heute ist. Noch immer entstehen dort außergewöhnliche Arbeiten, etwa Mikro-Mosaike, die eine eigene Kunstform darstellen und teils auch erworben werden können.
DOMRADIO.DE: Sind dort, an diesem Mosaik, alle Päpste zu sehen?
Nersinger: Es sollen alle sein. Über die Anzahl der Päpste hat man immer gestritten. Es gab Päpste, die sind einmal abgesetzt, dann wieder eingesetzt worden. Dann gab es oft Gegenpäpste. Mit den Zahlen hat man oft variiert. Mittlerweile kommt man auf 267 verewigte Päpste.
Dieses Interview führte Marcus Poschlod.