Kleine zeichnete die Situation Israels in der babylonischen Gefangenschaft nach: Armut, zerstörte Städte, fehlende Rechte – und viel Leid "ohne eigenes Verschulden". In diese Ohnmacht hinein stehe die Zusage Gottes: "Das ist mein Knecht, den ich stütze." Der "Gottesknecht" sei nach heutiger Deutung nicht primär eine Einzelperson, sondern das ganze Volk Israel – berufen, Gottes Gebote zu leben und so Heil und Zukunft zu eröffnen.
Entscheidend sei, wie dieser Knecht handelt: "Er schreit nicht und lärmt nicht", sondern lebt Gerechtigkeit praktisch. Kleine betonte das Bild vom "geknickten Rohr" und "glimmenden Docht": Wo noch Hoffnung da ist, soll sie geschützt werden – nicht zerstört durch Härte, Abwertung oder Resignation.
Jesus als Erfüllung, Taufe und Sendung
Die Worte aus Jesaja klingen für Kleine in der Taufe Jesu wieder: "Das ist mein geliebter Sohn." Jesus erfülle die Verheißung des Gottesknechts, indem er heilt, tröstet, Menschen vom Rand in die Mitte holt und "nicht richtet, sondern rettet". Zugleich erinnerte Kleine an den Leidensweg Jesu: Auch dieser Dienst führe ans Kreuz – getragen von der Zusage Gottes, der "an der Hand fasst".
Angesichts von Kriegen, Gewalt und Diktaturen fragte Kleine: Wo ist heute dieser Gottesknecht, der Recht bringt? Die endgültige Vollendung liege bei Gott am Ende der Zeit – aber bis dahin solle die Kirche als "Leib Christi" Gottesknecht sein: still, standhaft, barmherzig. Auftrag der Getauften sei es, Hoffnung zu bewahren, zu helfen, Menschen aus "Verstrickungen" zu lösen und Gottes Güte erfahrbar zu machen.
Zum Schluss rückte Kleine die Taufe als persönliche Zusage in den Mittelpunkt: Gott habe jeden und jede "an die Hand genommen", niemand sei "eine Nummer". Der Blick ins Weihwasserbecken solle immer wieder an Berufung und Sendung erinnern: als Christinnen und Christen im eigenen Umfeld "Licht für andere" zu sein – in Wort und Tat.
Im Gottesdienst erklangen Lieder und Wechselgesänge aus dem Gotteslob, unter anderem von Joseph Reinberger und Felix Mendelssohn.
Zweite Lesung am Fest der Taufe des Herrn: Apostelgeschichte 10,34-38
In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.
Impuls zur Lesung
Petrus, der Fischer aus Kafarnaum, macht gravierende innere Wandlungen durch. Vom frommen Juden zum ersten Menschen, der Jesus als den Messias bekennt. Aber sein Glaube bewegt sich zunächst noch in den Grenzen der eigenen Religion. Nach dem Pfingstereignis erkennt er: Gottes Tür steht allen Menschen offen! Das bekennt er nach der Begegnung mit dem römischen (also heidnischen) Hauptmann Kornelius in Cäsarea öffentlich: Gott sieht nicht auf die Person – aus allen Völkern ist ihm willkommen, wer ihn fürchtet und das Rechte tut. Das gilt bis heute: Alle sind zum Glauben an Jesus Christus eingeladen, ob sie vorher auch Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten, Atheisten oder sonst irgendetwas anderes waren. Jesus ist ohnehin "der Herr aller", ob das nun alle erkennen oder nicht. Das Fest der Taufe des Herrn erinnert alle Getauften daran, dass sie zusammengehören. Allen regionalen oder konfessionellen Unterschieden zum Trotz verbindet sie mehr, als sie trennt.
Quelle: Magnificat - das Stundenbuch