Wir haben seit Jahren ein interessantes Phänomen in der täglichen Debatte: eine Empörungskultur gegen alles und jedes und jede und jeden. Die Wetterkapriolen am Wochenende haben das nochmal deutlich gezeigt.
Die einen empören sich gegen die übertriebenen Vorwarnungen vor dem Wetterchaos, die anderen empören sich, dass viel zu wenig gewarnt wurde in ihrem Bereich, wo es viel schlimmer war, als im ganzen übrigen Land.
Die einen empören sich, dass in ihrer Straße wieder nicht geräumt worden ist und die anderen empören sich, dass viel zu viel Salz gestreut wird und die Straßen damit wieder kaputt gehen.
Die ein empören sich, dass Kitas und Schulen wegen der Wettervorhersagen geschlossen wurden und die anderen empören sich, dass die Wege und Straßen gerade für Kinder doch viel zu glatt und gefährlich sind.
Die einen empören sich über die störanfällige Infrastruktur in Berlin und die anderen nutzen das genüsslich aus um gegen Staat und Politik zu hetzen. Und dann passiert etwas ganz Wunderbares: in vielen Berliner Pfarreien und Gemeinden, den Hilfsorganisationen von Caritas über Diakonie, von Rotem Kreuz und Maltesern, legen die Leute los und organisieren Hilfe für die, die einige Tage weder Strom noch Heizung haben. Sie organisieren Unterkünfte, warme Mahlzeiten, Nachbarschaftshilfe und Handyladestationen, klopfen und rufen nach denen, die vielleicht Hilfe brauchen und sich nicht trauen, sammeln Lebensmittel und verteilen sie und so weiter und so fort. Sich empören ist oft gut und notwendig, damit auf Fehler aufmerksam gemacht wird. Aber Dauerempörung ist nicht das, was uns, den im Moment Hilfsbedürftigen und unserer Gesellschaft hilft. Nicht empören ist angesagt, sondern hören, verstehen, einschätzen und dann handeln. "Was ihr von den anderen erwartet, dass tut ebenso für sie", ist die goldene Regel jeder Religion und jedes menschlichen Zusammenlebens.
Morgenimpuls mit Schwester Katharina
Nicht empören, sondern handeln
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