Missionsbenediktiner erhalten Nachricht aus Venezuela

"Wir wissen nicht, was passieren könnte"

Nach den US-Luftangriffen auf Venezuela haben die Ordensbrüder der Abtei St. Joseph in Güigüe über die Lage im Land und vor Ort berichtet. Der Benediktiner-Abtprimas Jeremias Schröder hat ihren Bericht öffentlich geteilt.

Autor/in:
Michelle Mink
US-Angriffe auf Venezuelas Hauptstadt Caracas / © Matias Delacroix/AP (dpa)
US-Angriffe auf Venezuelas Hauptstadt Caracas / © Matias Delacroix/AP ( dpa )

Nach dem US-geführten Luftangriff auf Venezuela haben die Missionsbenediktiner in St. Ottilien ein Lebenszeichen ihrer Ordensbrüder in der Abtei St. Joseph in Güigüe erreicht. Die Gemeinschaft liegt nur 38 Kilometer vom größten Luftwaffenstützpunkt des Landes, El Libertador (früher Palo Negro), entfernt. Der Bericht wurde von Abtprimas Jeremias Schröder auf Facebook veröffentlicht.

Seit Wochen stehe der Abtpräses der Missionsbenediktiner in St. Ottilien, Pater Javier Aparicio Suárez, mit seinen Ordensbrüdern im venezolanischen Güigüe in Kontakt. Am Samstag übermittelte der dortige Ober, Pater Marco Antonio, einen Lagebericht aus dem Kloster: Bereits gegen 2 Uhr morgens habe der Beschuss strategischer Punkte rund um die Hauptstadt Caracas begonnen. 

"Keinen Strom, aber Internet"

Obwohl US-Präsident Donald Trump die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau zwar angekündigt habe, sei die Gemeinschaft alarmiert über die jüngsten Luftangriffe. Die derzeitige Regierung habe ihre Wahlniederlage im Juli 2024 nicht anerkannt und sei mit Gewalt im Amt geblieben.

"Im Moment haben wir keinen Strom, aber wir haben WLAN ... Wir haben einen Generator, aber wir werden ihn nicht einschalten ... Es ist wichtig, unsere Reserven zu schonen", schrieb Antonio. Aus den Zellen des Klosters sei die Stadt Maracay zu sehen, in der sich einer der größten und wichtigsten Luftwaffenstützpunkte Venezuelas befinde, El Libertador (früher Palo Negro). "Anscheinend ist hier nichts passiert, es sind keine Flugzeuge zu hören, die von diesem Stützpunkt starten."

Noch keine Entwarnung

Trotz der relativen Ruhe sei die Lage angespannt, und die Menschen seien in Alarmbereitschaft. "Unterdessen bleibt die Bevölkerung in ihren Häusern und steht in ständigem Kontakt mit Familie und Freunden ... niemand geht auf die Straße, alle warten, bis alles vorbei ist ... Man geht von einer chirurgischen Operation aus, aber wir wissen nicht, was später passieren könnte", heißt es in dem Bericht.

Jeremias Schröder, Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, am 17. September 2024 im Päpstlichen Athenaeum Sant'Anselmo in Rom / © Stefano Spaziani/Romano Siciliani (KNA)
Jeremias Schröder, Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, am 17. September 2024 im Päpstlichen Athenaeum Sant'Anselmo in Rom / © Stefano Spaziani/Romano Siciliani ( KNA )

Abtprimas Jeremias Schröder, der oberste Repräsentant der Benediktiner, teilte den Bericht in einem Facebook-Post. Er rief dazu auf, die benediktinische Gemeinschaft und die Menschen in Venezuela ins Gebet einzuschließen. Er kündigte außerdem an, weitere Neuigkeiten aus der venezolanischen Abtei ebenfalls in den sozialen Netzwerken zu teilen. 

Die Kongregation der Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien gehört zur Benediktinischen Konföderation, einem Zusammenschluss von 21 selbstständigen Benediktiner-Klöstern mit mehr als 50 Niederlassungen und 1.029 Missionsmönchen weltweit, mit Schwerpunkt in Afrika. Im Fokus der Arbeit des Missionsdienstes stehen Seelsorge und Evangelisierung, Bildung, Krankenpflege, Armutsbekämpfung und Ökologie. Das Stammhaus der Missionsbenediktiner befindet sich in Sankt Ottilien im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

(Die Zitate wurden aus dem Englischen übersetzt.)

Geschichte von Sankt Ottilien

Im Jahre 1884 gründete der Beuroner Benediktiner P. Andreas Amrhein im oberpfälzischen Reichenbach eine Gemeinschaft, die nach mittelalterlichem Vorbild das traditionelle benediktinische Leben mit der Missionstätigkeit verbunden wollte. Reichenbach war geographisch wenig günstig, und da überdies der Bischof von Regensburg Amrhein bekämpfte, wurde die Gründung 1887 nach Emming in Oberbayern verlegt. Der alte Weiler besaß eine kleine Kapelle, die der hl. Ottilia geweiht ist, so daß der Name des Klosters sofort feststand: St. Ottilien.

Erzabtei Sankt Ottilien / © klamor (shutterstock)
Quelle:
DR

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