Morgenimpuls mit Schwester Katharina

"Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer"

Gestern hat die zweite Woche der Fastenzeit begonnen. Wie war es so bisher, mit Ihren Vorsätzen? Ideen gibt es jedes Jahr viele, aber ich merke das auch an mir: Im Trubel des Alltags, gehen da schon manch gute Ideen mal verloren.

Zur Fastenzeit gehören ja schon immer die guten Werke, um dem Nächsten in Notsituationen beizustehen und in der Not ganz konkret zu helfen, soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen. Ein Exerzitienmeister hat mir mal sehr die Augen geöffnet, als er in seinen Vorträgen klargemacht hat, dass Barmherzigkeit DAS Wort in der Bibel ist. Unsere christliche Tradition kennt je sieben leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit, die von ihren Ursprüngen an als Hilfe gegen existentielle und situationsbedingte Nöte zu verstehen sind.

Die Aufzählung von Werken der Barmherzigkeit jedoch ist sehr viel älter als das Christentum: Schon die alten Ägypter kannten sie, und im Alten Testament finden sich an vielen Stellen Beispiele für barmherzige Werke. Ich habe Lust mit Ihnen in den nächsten Wochen immer mal wieder auf diese Werke der Barmherzigkeit zu schauen und konkret zu überlegen, was sie für mich und für Sie vielleicht heute bedeuten können. Der Kirchenvater Augustinus, hat schon im 5. Jahrhundert gelehrt, dass alle Werke die wir tun wollen, der jeweiligen aktuellen Not angepasst werden müssen.
Barmherzig kann die oder der sein, der es schon selbst erlebt hat. Dass da jemand mir Gutes getan, gesagt, gemailt, gemacht hat.

"Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer", könnte vielleicht über unserem Montag stehen. Statt eines klug ausgedachten Fastenopfers heute mal barmherzig sein zu einer Mitschwester, die mich nervt, zu einem Arbeitskollegen, der wieder zu spät kommt, zum Teenager, der wieder den gesamten Wlan-Account für sich braucht, mit der Oma, die jeden Tag anruft und ein langes Gespräch will.

Gott mahnt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

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