Vierte Vollversammlung des Synodalen Wegs beginnt

Die Zeit des Reformprojekts ist endlich

Ab diesem Donnerstag findet die nächste Vollversammlung des Synodalen Wegs statt. Die randvolle Tagesordnung legt den Schluss nahe, dass die Verantwortlichen das Tempo erhöhen wollen. Diese Versammlung wird die vorletzte sein.

Autor/in:
Joachim Heinz
Eindrücke der dritten Synodalversammlung in Frankfurt / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eindrücke der dritten Synodalversammlung in Frankfurt / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Insgesamt 14 Papiere in Erster oder Zweiter Lesung, dazwischen Aussprachen, meditative Impulse sowie die Vorstellung eines Leitfadens für geschlechtersensible Sprache in Beschlüssen des Synodalen Wegs. Die vom 8. bis 10. September in Frankfurt tagende Vollversammlung des Dialogs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland hat sich eine Menge vorgenommen. Und wie bei den vorangegangenen Treffen dürfte Kritik an einer überfrachteten Tagesordnung und zu kurzen Redezeiten laut werden.

Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Gleich zu Beginn bekommen es die rund 230 Mitglieder der Synodalversammlung mit einem 32-seitigen sogenannten Grundtext zur Sexualmoral zu tun. Das Papier steht in Zweiter Lesung auf der Agenda und könnte damit beschlossen werden – so wie acht weitere Grund- und Handlungstexte, die konkrete Vorschläge für Reformen in der Kirche unterbreiten wollen.

Priesterliche Lebensform

Intensive Debatten erwarten Beobachter auch zu einem weiteren Grundtext, der sich mit der priesterlichen Lebensform befasst. "Unser Grundtext plädiert dafür, dass wir das Priesteramt beibehalten, aber wir können uns vorstellen, dass auch andere Personen als nur zölibatär lebende Männer dieses Priesteramt ausführen können", erläuterte der stellvertretende Würzburger Dekan Matthias Leineweber in einem Interview der Plattform katholisch.de. "Wir erklären, dass dieses Amt unabhängig von der Person, ob es eine Frau oder ein Mann, eine verheiratete oder nicht verheiratete Person ist, erhalten werden muss, auch um eine gewisse Amtlichkeit in den Vollzügen der Kirche darzustellen."

Die Synodalen können sich für solche Vorstöße auf Stimmen aus der Weltkirche stützen wie die des künftigen brasilianischen Kardinals Leonardo Ulrich Steiner, der Sympathien für die Zulassung von verheirateten "bewährten" Männern, den "viri porbati", zum Priesteramt erkennen lässt. Einerseits. Andererseits steht mehr und mehr die Frage im Raum, welche Spielräume der Synodale Weg überhaupt hat. Erst im vergangenen Monat hatte der Vatikan zum wiederholten Mal unterstrichen, die vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals 2019 aufgesetzte Initiative sei "nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten".

Bischöfe sind gefragt, "toxische Strukturen" zu überwinden

Die einen warnen vor einem "deutschen Sonderweg" und einer Kirchenspaltung, die anderen beteuern die Einheit mit Rom. Man wolle "entscheidende Impulse" geben, "damit Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit in der katholischen Kirche keine Fremdwörter mehr sind", fasst die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Agnes Wuckelt, zusammen.

Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft / © Andreas Oertzen (KNA)
Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft / © Andreas Oertzen ( KNA )

"Es wird sich zeigen, ob dem in den vergangenen Monaten gewachsenen Problembewusstsein bezüglich unheilvoller kirchlicher Konzepte und Realitäten nun auch Reformbereitschaft und vor allem Handlungswille entsprechen", formulierte die Erfurter Theologin Julia Knop in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Erwartungen an die vierte Vollversammlung des Synodalen Wegs: "Hier sind vor allem die Bischöfe gefragt. Denn die Überwindung toxischer Strukturen, Konzepte und Gewohnheiten beginnt zwar in den Köpfen.

Aber sie braucht, um nachhaltig zu sein, mehr als den guten Willen eines guten Hirten."

Entscheidungen werden in Rom gefällt

Die in Frankfurt anwesenden deutschen Oberhirten allerdings werden möglicherweise schon den Blick verstärkt nach Rom richten. Soeben ist die erste Phase der von Papst Franziskus initiierte Weltsynode beendet. Im Herbst 2023 soll der Prozess, der vor allem einen anderen Umgangsstil in der Kirche etablieren will, in eine große Bischofsversammlung münden. Geht man nach der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche, dürfte dies der Ort sein, an dem tatsächliche Entscheidungen gefällt werden.

Eine Frau geht zur Veranstaltung "Synodaler Weg" im Haus am Dom / © Andreas Arnold (dpa)
Eine Frau geht zur Veranstaltung "Synodaler Weg" im Haus am Dom / © Andreas Arnold ( dpa )

Der Synodale Weg in Deutschland ist nach den bisherigen Planungen dann schon Geschichte. Er soll im März 2023 enden. Viel Zeit bleibt den Teilnehmern der Vollversammlung also nicht mehr, um konkrete Beschlüsse zu fassen.

Volles Programm bei Vollversammlung des Synodalen Wegs

Vor den Teilnehmern der vierten Vollversammlung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland liegt ein volles Programm. Bei ihrem Treffen vom 8. bis 10. September in Frankfurt wollen die rund 230 Synodalen über insgesamt 14 Papiere beraten. Dazu zählen etwa Texte zur kirchlichen Sexualmoral und zum Zölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit von katholischen Priestern.

Fahnen weisen auf den Synodalversammlung des Synodalen Weges hin / © Max von Lachner (SW)
Fahnen weisen auf den Synodalversammlung des Synodalen Weges hin / © Max von Lachner ( SW )

 

Quelle:
KNA
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