11.01.2006

Nachrichtenarchiv 12.01.2006 00:00 Kritik an Kabinettsbeschluss zur Kinderbetreuung

Familienpolitiker, Elternverbände und Kirchen haben die Beschlüsse des Bundeskabinetts zur steuerlichen Entlastung bei der Kinderbetreuung kritisiert. Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Wilfried Steinert, sagte der «Berliner Zeitung», die einzige Förderung der Kinderbetreuung bestehe darin, dass die Kosten von der Steuer abgesetzt werden könnten. Arme Familien, die keine Steuern zahlten, würden daher benachteiligt. Ähnlich äußerte sich auch der Familienbund der Katholiken. Die Pläne benachteiligten sozial schwache Familien, allein Erziehende und Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, sagte die Präsidentin Elisabeth Bußmann. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, mahnte, es müsse darauf geachtet werden, dass besser Verdienende nicht besser gestellt würden. Das Bundeskabinett hatte sich auf seiner zweitägigen Klausur in Genshagen auf eine nach Alter gestaffelte Regelung zur Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten geeinigt. Danach sollen berufstätige Eltern für jedes Kind bis zum Alter von sechs Jahren maximal 4.000 Euro jährlich von dem zu versteuernden Einkommen abziehen können. Die ersten 1.000 Euro müssen sie ohne Steuervergünstigung selbst übernehmen. Berufstätige Eltern mit Kindern von sechs bis 14 Jahren können vom ersten Euro an jährlich bis zu 4.000 Euro abziehen. Die Regelung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2006.