Bei einem Telefonanruf gestern Vormittag wollte die Anruferin eine Mitschwester sprechen, die aber an ihrer Arbeitsstelle und erst mal nicht zu erreichen war. Auf meine vorsichtige Rückfrage, ob ich ihr vielleicht helfen könnte, kam die erstaunte Frage: "In welcher Position sind Sie denn zu ihr?" Och, und dann habe ich ihr aufgezählt: Mensch, Bürger der Bundesrepublik, Mitmensch, Mitchristin, Mitschwester, Teil der gleichen Gemeinschaft von Franziskanerinnen, Konventsmitglied, und ich hätte noch viel mehr aufzählen können. Das Telefonat war dann doch recht witzig, und wir haben gelacht über diese komische Frage.
In welcher Position sind Sie denn zueinander? Dass es in Arbeitsverhältnissen verantwortliche Chefs und Mitarbeitende gibt, ist die eine Seite. Aber so im normalen Leben, im Leben als Christen untereinander, ist da der Chef mehr wert und geachteter als der normale Mitchrist? Wir Menschen ticken da oft tatsächlich so. In der Lesung heute steht etwas anderes. Da werden Verhältnisse anders sortiert und bewertet. Die Verhältnisse zu Gott. Da heißt es ganz einfach im ersten Johannes Brief: "Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott." Da geht es nicht um oben oder unten, da geht es um ihn, ums Drinbleiben, um ganz nahen, ganz innigen Kontakt. Wenn ich bekenne, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und als Retter der Welt gekommen ist, dann bleibt Gott in mir und ich in Gott. Das ist schon eine mehr als starke Verkündigung. Nicht Karriere nach oben und auch nicht nach unten, sondern Karriere nach innen ist hier gefragt. Aus dieser Sichtweise verstehe ich auch so ein bisschen das Leben des heiligen Bruno. Er hat in einem bewegten Leben zweimal die Berufung auf einen Bischofssitz abgelehnt. Stattdessen ist er Einsiedler geworden und hat den Orden der Kartäuser gegründet, die ihr ganzes Leben in strenger Abgeschiedenheit und Stille leben, um ganz in Gott zu bleiben. Ihm schien es das Wertvollste zu sein, was man im Leben erreichen kann: In Gott bleiben. In seiner Nähe. In enger Verbindung.