Mt 20,17-28
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem hinaufzog, nahm er unterwegs die zwölf Jünger beiseite und sagte zu ihnen: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben, damit er verspottet, gegeißelt und gekreuzigt wird; aber am dritten Tag wird er auferstehen.
Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte. Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Impuls von Kaplan Thomas Hufschmidt
Immer mehr wollen und nie genug haben. Das scheint eine menschliche Eigenschaft zu sein, vor der auch wir nicht gefeit sind. Nach immer mehr streben: sei das im privaten, aber eben auch im beruflichen Umfeld. Ich glaube, dass kennt jeder von sich. Mir fallen da bei mir jedenfalls viele Beispiele zu ein. Vielleicht ja auch Ihnen.
Den beiden Zebedäussöhnen Jakobus und Johannes scheint es jedenfalls auch so zu gehen, aber nicht nur ihnen, sondern auch ihrer Mutter, die ja mit der Frage an Jesus herantritt. Später sind der Neid und der Wunsch ganz vorne mitzuspielen auch bei den anderen Jüngern erkennbar. Jesus kontert geschickt und sagt quasi sprichwörtlich: Wer A sagt muss auch B sagen. Konkret: Wer ins Himmelreich kommen will, muss auch den Kelch des Leidens trinken, also dem Kreuz folgen. Und dann sagt er noch: selbst wenn ihr das schafft, gebe ich keine Garantie für den Platz. Das macht der Vater. Wenn wir immer weiterwollen, müssen wir uns auch die Frage stellen: Nehmen wir die unangenehmen sogenannten Nebenwirkungen in Kauf? Im Evangelienvokabular gesprochen: Trinken wir auch den Kelch?
Jesus ruft am Ende des Evangeliums die klare Hackordnung nochmals in Erinnerung: "Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein." Es kommt vor Gott nicht darauf an, ob wir es ganz hoch schaffen. Eine Frage ist viel wichtiger: Bleiben wir ihm treu? Vielleicht ist das ja ein Thema für den heutigen Tag. http://www.kath-kirche-sinzig.org/