Und einen Tag später mit Apfelkuchen und Champagner da. "Auf das Leben." Der Freund steht unter Schock. Kein Wunder. Er hat Krebs. Da steht das Leben still. Fussball WM? Sommerunwetter? Grad egal. Krebs heißt: "jetzt ist es ernst". Ob man da wieder rauskommt, wird sich zeigen. Ob man damit alleine bleibt und einsam wird, leider auch.
"Die meisten können nicht damit umgehen." Ein Kollege hat jetzt schon viele Jahre Erfahrung mit dem Krebs. Damit, ihm Jahr für Jahr, das Leben neu abzutrotzen. "Keiner will wirklich wissen, wie es um mich steht." "Gestorben wird ja auch im November" frotzeln wir dann. Wir sind lange genug im Mediengeschäft: gestorben wird da in der Tat im November, über Obdachlose darf vor Weihnachten berichtet werden und verliebt wird sich im Mai. In den Medien, wie im Kirchenjahr.
Wobei nichts falsch daran ist, sich in den Jahreskreis zu begeben. Eine Möglichkeit sich zu erinnern. Nicht plötzlich, sondern geplant, ritualisiert. An Totensonntag erschrecken wir eben nicht ganz so, wenn der Tod in unserem Herz vorbeischaut.
Aber wer weiß, vielleicht will der ja auch endlich mal was anderes erleben, der Tod. Endlich Urlaub machen, ausspannen, z.B. im Freibad und das Finale der Fußball-WM anschauen. Und all seinen nächsten Opfern Verlängerung gewähren!
Und während der Tod den Sommer genießt, könnten wir den Aufschub nutzen, uns auf Hanns Dieter Hüsch besinnen. Der zu einem Fernsehkollegen sagte: "Neulich hab ich so für mich gedacht, was ich am Ende gemacht haben könnte, wäre, glaube ich, nichts anderes als der lebenslängliche Versuch, auf ganz unterhaltsame Weise dem Menschen behutsam klarzumachen, dass er sterben muss."
Unterhaltsam und behutsam klarmachen, dass wir sterben müssen. Ein schönes Ziel. Wer sich erinnern lässt? Kann sein, dem steht das eigene Herz vor Schreck still. Weil es fühlt: es ist wahr. Es wird sterben müssen.
Wenn diese Einsicht doch nur Platz im Herzen schaffen könnte! Damit wir die, denen ihr Tod schon sein Gesicht zeigt hat, nicht aus Angst alleine lassen. Und für uns. Damit wir das, was wir tun, auch wirklich tun. Mit allen Sinnen, Herz und Hirn. In diesem Sinn: schönen Fußballsommersonntag!