Vom Glück des Gärtners

Unvorstellbare Wirkungen

Was macht es eigentlich aus, des Gärtners Glück? Jetzt in diesen milden Tagen des Frühlings müssten wir es eigentlich spüren.

Rosenglück / © St.Q.
Rosenglück / © St.Q.

Ist es Glück, unterm Apfelbaum sitzen zu können, im Spiel von Schatten und Licht? Oder am kleinen Brunnen mit seinem Wasserspiel? Wieviel Glück strahlen der rotklecksende Mohn und die prallen Knospen der Pfingstrosen aus? Was macht das Brummen der schweren Hummel mit uns, die gerade zur zarten Blüte der Akelei unterwegs ist und dann doch lieber im Fingerhut verschwindet? Welch‘ kleines Glück signalisiert die Blüte der dicken Bohne oder der Frauenmantel, der keck aus der Tiefe seine zartgrünen Knospen streckt, und sich wieder einmal aufmacht, den Garten zu erobern? Und wieviel Glück steckt allein schon in der Vorahnung des bald duftenden Lavendels?

Karl Förster schreibt: „Die Blume erweist sich als größerer Pionier eines neuen Verhältnisses zwischen Welt und Seele, als wir ahnen. Es gehen unvorstellbare Wirkungen von Gärten und Blumen aus.“

Des Gärtnerglückes Schmied

Gärten und Blumen wirken also schon von sich aus, aber lassen wir als Gärtner die „unvorstellbare“ Wirkungen auch zu? Nehmen wir uns die Zeit? Legen wir uns in die Hängematte unter den Apfelbaum? Nötig ist es, schließlich sind wir auch unseres Gärtnerglückes Schmied. Wir schaffen mit unserem emsigen Treiben im Garten die besten Voraussetzungen fürs Gärtnerglück, müssen es dann aber auch zulassen.

Glück leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „Gelücke“ ab. Darin steckt das Wort gelingen. Glück ist es demnach, wenn etwas gut ausgeht. Biologisch stecken hinter dem Glücksgefühl Botenstoffe wie Endorphine, Dopamin und Serotonin, die das Gehirn bei verschiedenen Genüssen oder auch beim Sport freisetzt.

Glücksmoment und Lebensglück

Sportliche Aktivitäten und sinnliche Genüsse, beides steckt im eigenen Garten. Genau jetzt in dieser Jahreszeit kommt das Glück des Gärtners tatsächlich wie ein Rausch daher, im Beginn des Sommers steckt dieses Glück. Jetzt ist der Sommer noch neu und deshalb kostbar. Die Mühen der Gartenarbeit erfüllen sich schon, die Pracht des Gartens hat sich entfaltet, alles ist da, zwischen welkem Tulpenlaub blüht schon der Fingerhut, aber noch steckt das Gartenjahr auch voller Verheißungen, noch nimmt das Jahr nichts von seinen Versprechungen zurück.

Das Glück des Gärtners ist aber nicht nur dieser eine Rausch im Frühling, sondern ist auch ein grundsätzliches Gefühl. Und das löst der Ort an sich aus, der Garten selbst, der kleine eigene Garten, so wie es Goethe in seinem Gedicht vom „Hausgarten“ schreibt:

Hier sind wir denn vorerst ganz still zu Haus,
Von Tür zu Türe sieht es lieblich aus;
Der Künstler froh die stillen Blicke hegt,
Wo Leben sich zum Leben freundlich regt.
Und wie wir auch durch fremde Lande ziehn,
Da kommt es her, da kehrt es wieder hin;
Wir wenden uns, wie auch die Welt entzücke,
Der Enge zu, die uns allein beglücke.

In der Lehre über das Glück unterscheidet man zwischen dem kurzen Entzücken, dem Glücksmoment, der wie ein Rausch daher kommt, und dem Lebensglück an sich, das dem Gefühl der Zufriedenheit näher kommt als dem Rausch. Gärten lehren beides, Glücksmoment und Lebensglück – zumal in dieser Jahreszeit. (St.Q.)