Als Radiologe hat sich Martin Montag dem Kampf gegen Krebs verschrieben. „Der Tumor spiegelt für ihn das Böse, das ihm widerfahren ist. Wenn er jeden Tag Tumore tötet, dann tut ihm das gut, weil er damit auch versuchen kann, seine Angst zu kontrollieren“. Eines Tages kommt ein Patient zur Tumorbehandlung, der eine zunächst physische Unruhe bei dem Arzt auslöst, er bekommt Herzrasen. Langsam erkennt Martin in diesem Patienten seinen Peiniger wieder. Er fragt sich: Soll ich ihn heilen? Soll ich ihn töten? Wie kann ich selbst seine Gegenwart überleben?
Die Freundschaft zu einem anderen Patienten hilft ihm. Martin Martinetti lebte als Clochard in Paris. Als Martinetti zur Tumorbehandlung in die Praxis kommt, fühlt sich sein Namensvetter sofort mit ihm verbunden. „Im Lauf des Romans wird klar, wieviel diese beiden Martins sich bedeuten und was sie verbindet“, erklärt die Autorin. Auch Martinetti ist als Kind vergewaltigt worden. „Das Mysterium der Freundschaft ist vielleicht der Kern des Buches. Freundschaft kann mehr als ein Trauma bedeuten und grenzt auch an Liebe“.
„Jojo“ ist ein Buch über Wunden, die nicht heilen. Steinunn Sigurdadottir erzählt, wie man ein Trauma überleben kann. Sie erzählt davon nicht nur in schwarzer Schwere, sondern in einem Ton, der das Lesen des Romans erträglich, manchmal sogar leicht macht, ohne dass – und das ist das Kunststück ihrer Geschichte – die Tragik eines Miissbrauchs verharmlost wird. „Jojo“ ist ein Buch, das an die existentiellsten Fragen des Menschenseins rührt.