Mehr als 3.000 US-Katholiken mit lateinamerikanischen Wurzeln treffen sich an diesem Wochenende zum sogenannten "V National Encuentro" in Grapevine, Texas. Die Teilnehmer wurden über einen zweijährigen Auswahlprozess unter einer Viertelmillion Bewerber ermittelt. Das spanische Wort "Encuentro" ("Treffen") war als Motto für den ersten Kongress der Latinos in der US-Kirche 1972 gewählt worden. In diesem Jahr kommen die hispanischen Katholiken zum fünften Mal zusammen, um über ihre Anliegen für die Kirche zu beraten.
Die katholischen US-Latinos stehen an einem historischen Wendepunkt, da sie inzwischen rund 40 Prozent aller Katholiken der USA stellen und als Zukunft der Kirche gelten. Noch 1991 waren fast neun von zehn US-Katholiken weiß; heute ist diese Zahl auf 55 Prozent gesunken. Lange Zeit wurden Latinos als Katholiken gesehen, die zwar die Kirchenbänke füllten, ansonsten aber wenig Einfluss in der offiziellen Kirche hatten. Der Papstbesuch 2015 in den USA stellte eine Zäsur dar. Ausdrücklich hatte sie Franziskus aufgefordert, sich nicht für ihre Traditionen zu schämen.
Beobachter rechnen damit, dass die Hispanics in rund 20 Jahren die Mehrheit der US-Katholiken stellen werden. Derzeit gehören der US-Bischofskonferenz allerdings nur zehn Prozent Bischöfe hispanischer Herkunft an. Überschattet wird der katholische Latino-Gipfel von zahlreichen Missbrauchsskandalen in der US-Kirche. (KNA, 21.9.18)