Streit zwischen Türkei und Papst

 (DR)

Die Türkei hat gegen eine Äußerung von Papst Franziskus über die Vertreibung der Armenier während des Ersten Weltkriegs offiziell Protest eingelegt, der Botschafter des Heiligen Stuhls wurde am Montag vom Außenministerium in Ankara einbestellt.

Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern während einer Zusammenkunft mit dem armenisch-katholischen Patriarchen Nerses Bedros XIX. Tarmouni im Vatikan als den "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts" bezeichnet. Die Begegnung fand bereits am 3. Juni statt.

Das türkische Außenministerium verurteilte die päpstliche Aussage am Wochenende als "absolut inakzeptabel". Vom Papst werde erwartet, dass er zum Weltfrieden beitrage, und nicht, dass er Feindseligkeiten über historische Ereignisse schüre.

Durch Massaker und im Zuge von Vertreibungen kamen zwischen 1915 und 1917 im damaligen Osmanischen Reich mehrere hunderttausend Armenier ums Leben. Die Gräueltaten an den Armeniern stellen nach Ansicht vieler Historiker den ersten Völkermord im 20. Jahrhundert dar. Mehr als ein Dutzend Staaten haben sie mittlerweile als Genozid anerkannt.

Die Türkei beharrt hingegen auf ihrer Position, nach der die Vertreibung mit ihren Folgen nicht als Genozid zu bewerten sei. Papst Franziskus hatte das Vorgehen gegen die Armenier bereits in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires als Völkermord bezeichnet.

(kna)