11.05.2004

Nachrichtenarchiv 12.05.2004 00:00 Rau: Deutschland kann Vertrauenskrise überwinden

Bundespräsident Rau hat seine letzte "Berliner Rede" gehalten. Darin ruft er die Deutschen eindringlich dazu auf, sich politisch einzumischen. In der Gesellschaft herrschten Verunsicherung und mangelnde Kraft zur Veränderung. Wesentlicher Grund dafür seien Fehlentwicklungen in Politik und Wirtschaft. Rau nannte vor allem den ausbleibenden Erfolg im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Der Bundespräsident prangerte ein Schlechtreden Deutschlands an, "eine endlose Klage- und Selbstanklagewelle", wie er sie noch in keinem anderen Land erlebt habe. Er sei aber zuversichtlich, dass das Land die Vertrauenskrise überwinden könne. Dafür gebe es gute Gründe. Gegen alle pessimistischen Töne sehe er überall Beispiele für Bürgersinn, Engagement, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Arbeit, so der Bundespräsident. --- Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat dem Bundespräsidenten für seine "eindringliche und klare Rede" gedankt.  Speziell hob er die souveräne, überparteiliche und ohne Häme vorgetragene Kritik Raus hervor. Rau habe die schonungslose Analyse der Vertrauenskrise mit einer Ermutigung an alle Bürger verbunden, Verantwortung zu übernehmen und sich für andere einzusetzen. Mit diesem Mut zum Wesentlichen setze das Staatsoberhaupt ein Zeichen, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.