DOMRADIO.DE: Was genau ist passiert im Weihnachtsgottesdienst?
Pfarrer Richard Büssing (St. Mariä Himmelfahrt, Vechta): Es war zu Beginn des Kommunionausteilens, da fiel der Messdiener um. Dann kam dieser lautstarke Zwischenruf von einem Gottesdienstteilnehmer und das war total unangebracht. Andere Gottesdienstbesucher haben sich sofort gekümmert, um den Jungen zu helfen. Und er kritisiert und resoniert dagegen.
DOMRADIO.DE: Er hat die Maskenpflicht in der Kirche kritisiert. Nun darf man die eigene Meinung in einer Demokratie sagen. Sie haben geantwortet, der Mann solle Provokationen und politische Stellungnahmen unterlassen oder die Kirche verlassen. Er ist dann gegangen. Halten Sie es für richtig, so gegen eine Einzelperson vorzugehen?
Büssing: Ich denke schon. Er hat sich sehr unangemessen im Gottesdienst, und zwar kurz vor dem Kommunionempfang, derart geäußert, dass es nicht erträglich war. Für alle Gottesdienstbesucher war es ein Schock. Und da habe ich ihn darum gebeten, die Kirche zu verlassen, wenn er den Mund nicht halten kann.
DOMRADIO.DE: Gegner der Maskenpflicht sagen, eine Maske würde nichts bringen und man könnte daran quasi ersticken. Das hat er ja dann da auch deutlich machen wollen, dass es dem Messdiener vielleicht deswegen nicht gut ging. Was gibt es nun für Konsequenzen für den Mann?
Büssing: Von mir aus überhaupt keine. Ich habe ihn nur in dem Augenblick des Gottesdienstes verwiesen. Das heißt, ich habe ihn freundlich aufgefordert, aber bestimmt, das Gotteshaus zu verlassen. Weitere Konsequenzen stehen meiner Meinung nach nicht an.
DOMRADIO.DE: Werden Sie denn noch mal das Gespräch mit ihm suchen?
Büssing: Es ist relativ unbedeutend, glaube ich. Man kann mit solchen Leuten schlecht sprechen, die so verbohrt sind und so einseitig denken.
DOMRADIO.DE: Wie kann man denn hier zwischen dem politischen Verhalten und dem christlichen unterscheiden?
Büssing: Mich wundert es, dass er seine Katholizität und sein Christsein so stark in den Vordergrund stellt, wenn er so wenig bei dem ist, was im Gottesdienst geschieht.
DOMRADIO.DE: Und was raten Sie allen, die selbst mal in eine solche Situation kommen und was gegen Stimmungsmache sagen sollen oder wollen?
Büssing: Also im Gottesdienst: Ruhig bleiben, aber eine klare Linie vertreten. Der Gottesdienst ist Gottesdienst und nicht politische Bühne.
DOMRADIO.DE: Und meinen Sie, es ist eine besondere Aufgabe von uns Christen, da was gegen zu sagen?
Büssing: Ich denke schon, dass wir Farbe bekennen müssen, ja. Dass wir uns auch zur Masken-Pflicht und zu allen Vorsichtsmaßnahmen positiv verhalten und einstellen müssen.
Das Interview führte Katharina Geiger.