Caritas-Gebäude in Nicaragua geht in Flammen auf

Zunehmende Gewalt gegen Geistliche

Die Krise im mittelamerikanischen Nicaragua spitzt sich weiter zu. Ein Ende der Gewalt scheint nicht in Sicht. Zunehmend geraten auch katholische Geistliche ins Visier von regierungsnahen Paramilitärs. Die Weltgemeinschaft zeigt sich besorgt.

Dunkle Wolken über der Kirche / © Jorge Torres (dpa)
Dunkle Wolken über der Kirche / © Jorge Torres ( dpa )

Unbekannte haben in Nicaragua einen Brandanschlag auf ein Gebäude der Caritas verübt. Wie die Tageszeitung "El nuevo Diario" berichtet, ist eine Niederlassung des kirchlichen Hilfswerks in Sebaco in der Unruheprovinz Matagalpa im Nordwesten Nicaraguas in Flammen aufgegangen. Offenbar gab es bei dem Anschlag keine Verletzten.

Gewalt gegen Geistliche

Erst am Sonntag war der nicaraguanische Bischof Juan Abelardo Mata in seinem Auto beschossen worden, blieb nach Angaben der Bischofskonferenz aber unverletzt. Der Angriff wird regierungsnahen Paramilitärs zugeschrieben. Vor gut einer Woche war Managuas Weihbischof Silivo Baez bei einer Attacke von regierungsnahen Paramilitärs in einer Kirche leicht verletzt worden.

Angespannte politische Lage in Nicaragua

Die aktuelle Krise in Nicaragua entzündete sich Mitte April an einer inzwischen zurückgenommenen Rentenreform. Anschließend richteten sich die Proteste gegen Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit sowie gegen staatliche Gewalt. Inzwischen fordern Vertreter der Zivilgesellschaft den sofortigen Rücktritt von Präsident Daniel Ortega. Den Vorschlag, mit vorgezogenen Neuwahlen die innenpolitische Krise zu beenden, lehnte er ab. Stattdessen wirft er den Regierungsgegnern vor, einen Putsch vorzubereiten und nennt die Demonstranten "Terroristen".

Kirche dringt auf "nationalen Dialog"

Seit Beginn der Proteste kamen rund 300 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Hilfsorganisationen und die katholische Kirche werfen der Regierung schwere Menschenrechtsverstöße vor. Ein "nationaler Dialog" unter Federführung der Kirche strebt eine Lösung des Konflikts an, wird aber durch die Gewalt immer wieder unterbrochen. Papstbotschafter Waldemar Sommertag rief jüngst alle Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Internationale Gemeinschaft fordert Ende der Gewalt

Nun hat sich auch UN-Generalsekretär António Guterres zu Wort gemeldet. Er forderte einen sofortigen Stopp der Gewalt in dem mittelamerikanischen Land.

Es sei nicht akzeptabel, dass es Tote und Verletzte gebe, sagte Guterres am Montag in Costa Ricas Hauptstadt San José. Zudem müsse der Friedensdialog in Nicaragua wieder aufgenommen werden, um die Krise zu lösen. Bislang hatte sich Guterres noch nicht so ausdrücklich zu dem Konflikt in Nicaragua geäußert.


Proteste in Nicaragua / © Carlos Herrera (dpa)
Proteste in Nicaragua / © Carlos Herrera ( dpa )

António Guterres / © Salvatore Di Nolfi (dpa)
António Guterres / © Salvatore Di Nolfi ( dpa )
Quelle:
KNA , dpa
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