Streifzug durch die schönsten Kirchen der Algarve

Sakrale Schätze in Portugals Sonnenregion

Die Algarve, Portugals Sonnen- und Ferienregion Nummer eins, steht für traumhafte Atlantikstrände, Steilküsten, Golfplätze. Dass ganz besondere Kirchen den Besuch lohnen, weiß nicht jeder, der hier den Urlaub verbringt.

Felsenkapelle Nossa Senhora da Rocha  / © Andreas Drouve (KNA)
Felsenkapelle Nossa Senhora da Rocha / © Andreas Drouve ( KNA )

Welch eine Tarnung! Glanzfrei und absolut unscheinbar fügt sich das Kirchlein Nossa Senhora da Conceicao in eine Fassadenreihe im Stadtherzen von Loule. Beidseits stoßen gewöhnliche Häuser an, einzig ein Steinkreuz auf dem Dach lässt den Unterschied erahnen. Ein paar Meter weiter kehren Touristen in einer Snackbar ein, auf der Gegenseite der Gasse liegt ein Strohhutgeschäft.

Der Eingang ins Kircheninnere wirkt abweisend düster, doch dann wird es hell. Schlagartig sticht der Widerschein des blattgoldüberzogenen Hochaltars in die Augen, stürzt ein Kosmos aus Engels- und Heiligenfiguren auf die Betrachter ein. Die Namensgeberin, "Unsere liebe Frau der unbefleckten Empfängnis", erhebt sich zentral in einem eleganten Gewand über drei Engelsköpfen. Ihre Wangen leuchten rot, aus den Augen sprechen Güte und Zuversicht.

Biblische Motive

Damit nicht genug der Pracht in dem einschiffigen Kirchenjuwel. Über die Wände ziehen sich vom Boden bis zur Decke blauweiße Schmuckkacheln, die für Portugal typischen Azulejos, die auch in anderen Gotteshäusern zur Geltung kommen. Hier setzen sie sich in Großformaten zu figürlichen Motiven zusammen: Marias Geburt. Ihr Bund mit Josef. Die Verkündigung. So weit, so gewöhnlich, mag man meinen.

Doch Alda Goncalves, die als Wachdame und Führerin in Personalunion fungiert, stellt eine Besonderheit heraus. "Diese Szene sieht man ganz selten", sagt sie und deutet auf den Moment der Beschneidung Christi. Dann folgt man ihrem Blick zu den obersten Teilen des barocken Hochaltars, wo ein Engel die Sonne und ein zweiter den Mond hält. "Maria ist stark wie die Sonne und schön wie der Mond", unterstreicht die freundliche Dame die Bedeutung.

Zeugnisse der Marienverehrung

In einer Region der Fischer und Bauern, wie sie die Algarve einst weitgehend war, hat die Marienverehrung stets eine wichtige Rolle gespielt. Die schönste Küstenkapelle, westlich von Armacao de Pera hoch auf einem Klippenvorsprung gelegen, ist der "Lieben Frau vom Fels" geweiht, Senhora da Rocha. Die Geschichte des gedrungenen, leuchthellen Bauwerks reicht ins 16. Jahrhundert zurück. Den säulengestützten Vorraum zieren Azulejos, Gläubige haben Gebinde aus Kunstblumen hinterlassen. Durch die Glasfront schaut man auf die Marienskulptur mit dem Kind; beide tragen silberne Kronen.

Ein Sonderfall unter den Marienzielen ist das Santuario Nossa Senhora da Piedade, "Unsere liebe Frau des Erbarmens" - denn das Heiligtum auf einem Hügel außerhalb von Loule gibt es doppelt. Futuristisch, wie ein gelandetes Ufo, wirkt die moderne, überkuppelte Kirche, die ihre Fertigstellung Mitte der 1990er Jahre erlebte. Dagegen kommt die benachbarte alte Kapelle bescheiden daher und bewahrt mit ihren schlichten Gemälden und Azulejos eine authentische Aura. In beiden Häusern Gottes zieht ein Bildnis der Schmerzensmutter die Blicke an.

Rückeroberung im Spätmittelalter

Kurios ist das separate Kerzenhaus auf dem Gelände, ein zugänglicher Raum, in dem warme, dicke Luft wabert. Die Kerzen tropfen in Wasserbecken ab, die Wände sind teils geschwärzt.

Zeugnis der Marienverehrung in der Oberstadt von Tavira ist die Kirche Santa Maria do Castelo. Nach der Rückeroberung aus maurischer Hand im Spätmittelalter wurde sie mutmaßlich über den Resten der Hauptmoschee errichtet. 51 Stufen führen auf den Glockenturm, der die Fernsicht über die Kanallandschaft des Naturparks Ria Formosa hinweg aufs offene Meer erlaubt. Etwas unterhalb der Marienkirche öffnet sich die Igreja da Misericordia als eines der schönsten Renaissancebauwerke in Südportugal. Prägnant ist einmal mehr die Auskleidung mit Azulejos; die szenischen Bilderfolgen drehen sich um die christliche Barmherzigkeit. Weiterer Höhepunkt ist das vergoldete Holzschnitzwerk des Hochaltars.

Kirchen für zwei Heilige

Die Suche nach den schönsten Kirchen der Algarve bringt zwei Heilige ins Spiel. Sankt Antonius von Padua ist in Lagos die Igreja de Santo Antonio geweiht, die mit ihrer Barockpracht regelrecht erschlägt; Ölgemälde von Joaquim Rasquinho zeigen Szenen aus dem mirakelhaften Wirken des Heiligen, der einmal einem Mann einen amputierten Fuß erfolgreich wieder ansetzte.

Bei Almancil ist die Reihe an Sankt Laurentius: im Kirchlein Sao Lourenco mit einer Sturzflut aus Azulejos. Mutmaßlich mit Ursprung als schlichte Kapelle im Mittelalter, sollen es im 18. Jahrhundert Grafen aus Nordportugal gewesen sein, die in der Gegend als Jagdgäste weilten und die Ausschmückung des Kircheninnern mit Kacheln und Fliesen veranlassten. Das Resultat überwältigt bis heute.


Kruzifix in der "Capela de Nosso Senhor dos Aflitos" in Olhao / © Andreas Drouve (KNA)
Kruzifix in der "Capela de Nosso Senhor dos Aflitos" in Olhao / © Andreas Drouve ( KNA )
Quelle:
KNA