Religionsführer und EU-Politiker diskutieren Europas Zukunft

Wohin geht die Reise?

Wie sieht die Zukunft Europas angesichts steigender nationalistischer Tendenzen in vielen Staaten aus? Darüber haben am Dienstag in Brüssel führende Persönlichkeiten verschiedener Religionen mit EU-Spitzenpolitikern diskutiert.

"Peace-Zeichen" vor der Flagge Europas / © Alik Keplicz (dpa)
"Peace-Zeichen" vor der Flagge Europas / © Alik Keplicz ( dpa )

Bei dem Gespräch mit Vertretern christlicher Kirchen, des Judentums, des Islams und des Buddhismus sei es darum gegangen, "die Frage nach unserer gemeinsamen Zukunft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten", erklärte EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans. Konkret ging es um die Handlungsfähigkeit der EU, um Einigkeit und Demokratie sowie um soziale und ökologische Fragen.

Integration als Ziel

Der Chef-Rabbi von Brüssel, Albert Guigui, sagte nach dem Gespräch, in Europa dürfe nicht wie im 19. Jahrhundert die Assimilation von Menschen verschiedener Weltanschauung das Ziel sein, vielmehr müsse es um Integration gehen. Während man sich bei der Assimilation um den Preis der eigenen Identität anpasse, bedeute Integration die Beibehaltung der Identität und zugleich die Achtung der für alle geltenden Gesetze, erläuterte der Vertreter des Judentums.

Der Imam Tareq Oubrou urteilte, Europa stehe für Universalität: Die weltanschauliche Vielfalt werde von einem gemeinsamen säkularen Gesetz geregelt. Der Islam sei an dieses Konzept noch nicht gewöhnt, "aber ich glaube, die Zeit wird ihr Werk tun", sagte der Franzose.

Kein romantisches Bild des Christentums

Der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich lehnte ein Zurück zu einem "romantischen Bild des Christentums" ab. Er wolle im heutigen, durch Freiheit und Rechtsstaatlichkeit charakterisierten Europa leben.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, forderte, die Kirchen sollten auch untereinander über ihre Haltung zu Europa diskutieren und "Gräben und Spannungen, die derzeit etwa in der Flüchtlingsfrage durch die EU gehen" und auch in den Kirchen zu spüren seien, ansprechen.


Quelle:
epd